Siemens und Nokia stützen NSN mit Milliardenspritze

Donnerstag, 29. September 2011, 15:20 Uhr
 

München (Reuters) - Siemens und Nokia stützen mit einer Milliarde Euro ihre ungeliebte Netzwerktochter Nokia Siemens Networks.

Jeder Partner schieße eine halbe Milliarde zu, um "die finanzielle Position von NSN weiter zu stärken", teilten die beiden Konzerne am Donnerstag mit. Das Geld soll eingesetzt werden, um "strategische Flexibilität, Produktivität und Innovationen, insbesondere im mobilen Breitbandgeschäft, zu schaffen". Der Siemens-Gewinn im laufenden Quartal bleibt von der Finanzspritze unberührt. Das Geld fließe aus der Barschaft des Konzerns ab, im Gegenzug erhielten Siemens wie Nokia die gleiche Anzahl von Vorzugsaktien an NSN, sagte ein Unternehmenssprecher.

Der Schritt war unter Experten erwartet worden, offen war lediglich die Summe. Die Kapitalszufuhr gilt auch als Voraussetzung dafür, dass sich NSN weiteres Geld über die Anleihemärkte besorgen kann. Bereits im Sommer lotete NSN nach Siemens-Angaben aus, wie die Firma über eine Unternehmensanleihe weitere Mittel auftreiben kann.

NSN schreibt seit seiner Gründung 2007 praktisch nur Verluste und leidet schwer unter der Billigkonkurrenz aus Asien. Die beiden Mütter haben sich vertraglich bis 2013 aneinander gebunden und mussten sich das Geschäft Milliardensummen kosten lassen. Ein Versuch, NSN-Anteile an Finanzinvestoren loszuschlagen, war vor einigen Monaten fehlgeschlagen. Siemens und Nokia wollen nun in einer dritten Sanierungsrunde die Tochter auf Kurs bringen. Nach dem Abbau von zehntausenden Stellen stehen NSN weitere Einschnitte bevor.

Eine erste Personalentscheidung an der Spitze des Aufsichtsrats gab es bereits: Der frühere Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo räumt seinen Posten für den dänischen Finanzmanager Jesper Ovesen, der zuletzt als Finanzchef beim dänischen Telekommunikationsunternehmen TDC diente und zuvor die Finanzen des Spielzeugherstellers Lego verantwortete. Der 54-Jährige solle sich in Vollzeit um die Sanierung von NSN kümmern. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser stellt hohe Anforderungen an Ovesen: "Als Vorsitzender des Aufsichtsrats wird er für die Überwachung der Strategie von Nokia Siemens Networks verantwortlich sein, das sich zu einem starken unabhängigen Unternehmen entwickeln will", sagte er.

Der gebeutelte Partner Nokia, der vor allem unter rapide schwindenden Marktanteilen im angestammten Handy-Geschäft leidet, verschärft zugleich seinen Sparkurs: Die Finnen streichen 3500 Stellen. Davon fallen 2200 Arbeitsplätze im Zuge der Schließung des Werks im rumänischen Cluj weg. Die Produktion war aus Kostengründen erst 2008 gegen den Widerstand von Politik und Gewerkschaften von Bochum dorthin verlagert worden. In der einst prestigeträchtigen Navigationssparte werden 1300 Jobs gekappt.