ThyssenKrupp treibt Abspaltung der Edelstahlsparte voran

Freitag, 30. September 2011, 10:17 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger treibt die Abspaltung des Edelstahlgeschäfts voran.

Die bisherige Sparte Stainless Global werde unter den Namen Inoxum weitergeführt und aus dem Konzern herausgelöst, teilt das Unternehmen am Freitag mit. Auf welche Weise ThyssenKrupp die Gesellschaft losschlägt, bleibt offen. In Frage kämen weiter ein Börsengang, eine Abspaltung oder ein Verkauf an einen Investor. Hiesinger hatte die Veräußerung des Geschäfts mit Traditionsmarken wie Nirosta im Frühjahr angekündigt.

Inoxum sei als Holding organisiert und umfasse die weltweite Produktion, Verarbeitung und den Vertrieb von Edelstahlprodukten. Zu dem Unternehmen gehören Werke in Deutschland, Italien, Mexiko, China und den USA. Die über 11.000 Beschäftigten erzielten im Geschäftsjahr 2009/10 einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro.

UMFELD FÜR BÖRSENGANG VON EDELSTAHL HAT SICH VERSCHLECHTERT

Hiesinger hatte darauf verwiesen, dass ein Börsengang der Edelstahlsparte von einem guten konjunkturellen Umfeld abhängt. Das hat sich allerdings in den vergangenen Wochen eingetrübt. Erst vor wenigen Tagen hatte der Chemiekonzern Evonik seinen für dieses Jahr angepeilten Börsengang wegen der Talfahrt an den Aktienmärkten abgeblasen. Bereits zuvor hatte Siemens den Börsengang der Leuchtmitteltochter Osram verschoben. Ein Verkauf des Edelstahlgeschäfts an einen Konkurrenten könnte auf Widerstand bei den Kartellbehörden stoßen. Zu den Wettbewerbern gehören die ArcelorMittal-Abspaltung Aperam, die spanische Acerinox und Outokumpu aus Finnland. Zudem leidet die Branche in Europa unter Überkapazitäten.

Hiesinger hatte nach seinem Amtsantritt Ende Januar dem Abbau der Schulden oberste Priorität eingeräumt. Der Mischkonzern mit rund 180.000 Beschäftigten steht mit über sechs Milliarden Euro in der Kreide. Der ehemaligen Siemens-Manager will Geschäfte mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro und 35.000 Beschäftigten verkaufen. Neben der Edelstahlsparte hat er diverse Autozulieferer zur Disposition gestellt. Hiesinger will das Technologiegeschäft, etwa mit Aufzügen und dem Anlagenbau stärken, nachdem in den vergangenen Jahren ein Großteil der Investitionen in neue Stahlwerke in Übersee geflossen sind.

 
<p>The headquarters of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG is seen in Duisburg September 23, 2010. REUTERS/Ina Fassbender</p>