Nokia fängt sich wieder - Börse feiert Gewinn

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 16:50 Uhr
 

Helsinki (Reuters) - Der strauchelnde Handyriese Nokia fasst wieder Tritt: Im abgelaufenen Quartal kämpfte sich der finnische Konzern überraschend in die Gewinnzone zurück.

Dank Preiskürzungen und neuen Modellen verkaufte Nokia deutlich mehr Mobilfunkgeräte in Schlüsselmärkten wie Indien. An der Börse sorgte dies für einen Freudensprung, die Nokia-Aktie legte rund zehn Prozent zu. Noch im laufenden Quartal will Nokia die ersten Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows in einzelnen Ländern auf den Markt bringen und damit im Kampf um zuletzt verlorene Marktanteile punkten. Der jahrelange Branchenprimus ist zuletzt ins Hintertreffen geraten und musste vor allem im Hochpreis-Segment anderen Anbietern wie Apple den Vortritt lassen.

Analysten zeigten sich von der Entwicklung überrascht. "Die Ergebnisse sind deutlich besser als erwartet", sagte Swedbank-Experte-Jari Honko. Nokias Erholung sei offenbar weiter fortgeschritten als zuletzt prognostiziert. Der Ausblick aufs vierte Quartal signalisiere, dass diese Impulse anhielten. Fürs Weihnachtsquartal rechnet Nokia nach eigenen Angaben mit einer operativen Marge zwischen eins und fünf Prozent im Handygeschäft. Auch Nokia-Chef Stephen Elop gab sich zuversichtlich: "Unser Fortschritt im dritten Quartal ermutigt mich." Allerdings seien weitere wichtige Schritte nötig. Ähnlich äußerte sich WestLB-Analyst Thomas Langer. Der wirkliche Test komme erst 2012, sagte Langer. Dann sollen die Windows-Handys global in den Läden erhältlich sein.

ÜBERRASCHENDE ERFOLGE IM SMARTPHONE-GESCHÄFT

Im dritten Quartal überraschte Nokia mit einem Überschuss je Aktie von 0,03 Euro. Analysten hatten mit einem Minus von 0,01 Euro je Anteilsschein gerechnet. Im Vorjahr lag der Gewinn je Aktie noch bei 0,14 Euro. Der Umsatz betrug 9,0 Milliarden Euro und fiel damit ebenfalls über den Erwartungen aus. Die Finnen verkauften 15,9 Millionen Smartphones sowie knapp 90 Millionen normale Mobilfunkgeräte. Analysten hatten jeweils mit deutlich weniger gerechnet. Zum Vergleich: Apple veräußerte 17,1 Millionen iPhones im abgelaufenen Quartal und hofft auf neuen Aufwind durch die Markteinführung des Modells iPhone 4S. Vor Nokia hatte bereits Sony Ericsson in der vergangenen Woche Fortschritte gezeigt. Das Joint-Venture des japanischen Sony-Konzerns und der schwedischen Ericsson war im dritten Quartal in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Auch der gemeinsame Netzwerkausrüster von Nokia und Siemens machte im dritten Quartal überraschend gute Geschäfte und kam damit unter dem Strich sogar auf ein Plus. Der Betriebsgewinn von Nokia Siemens Networks aus dem fortlaufenden Geschäft belief sich auf sechs Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt einen Verlust von 31,5 Millionen Euro prognostiziert. Der Netzwerkausrüster hat seit seiner Gründung 2007 jedes Quartal von neuem zu kämpfen, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Zumeist schlug am Ende jedoch ein Verlust zu Buche. Konkurrenten wie die chinesische Huawei und Ericsson setzen dem deutsch-finnischen Kooperationsunternehmen deutlich zu. Ende September teilten Nokia und Siemens mit, jeweils eine halbe Milliarde Euro in die Problemtochter zu pumpen.

Am Donnerstag gab auch Ericsson Einblick in den Verlauf des vergangenen Quartals. Das schwedische Unternehmen stellt sich nach eigenen Angaben wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten auf eine Eintrübung der Geschäfte ein.