Lufthansa wird Verlustbringer BMI los

Freitag, 4. November 2011, 17:43 Uhr
 

Frankfurt/London (Reuters) - Die Lufthansa verkauft ihre marode Tochter-Airline BMI an den Konkurrenten British Airways. Deutschlands größte Fluggesellschaft zieht damit den Schlussstrich unter eine glücklose Akquisition, die ihr jahrelang hohe Verluste einbrachte.

British Airways kann mit BMI ihre Position in London Heathrow entscheidend ausbauen - BMI besitzt einige der begehrten Landerechte an Europas größtem Flughafen.

Die Muttergesellschaft von British Airways, IAG, habe eine Grundsatzvereinbarung über die Übernahme von BMI unterzeichnet, teilte die Lufthansa am Freitag mit. Der Kaufvertrag solle in den nächsten Wochen unterschrieben werden. Nach der kartellrechtlichen Freigabe - die EU-Kommission wurde bereits kontaktiert - soll der Verkauf im ersten Quartal 2012 unter Dach und Fach sein. "IAG bietet BMI die besten Chancen für die Zukunft", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Den Kaufpreis verschwiegen die beiden Airlines. Analysten gehen von etwa 350 Millionen Euro aus. Damit dürfte der Rückzug zum Verlustgeschäft für die Lufthansa werden, sagte Commerzbank-Analyst Frank Skodzik, da BMI in den Büchern der Lufthansa noch mit einer halben Milliarde Euro stehen dürfte. Die Differenz müsse abgeschrieben werden. Die Wertminderung sei aber vertretbar, da die Kranich-Airline künftig auch nicht mehr die BMI-Miesen ausgleichen müsse. An der Börse fand der Verkauf keinen Applaus. Die im deutschen Leitindex Dax gelisteten Lufthansa-Titel verloren vier Prozent auf 9,99 Euro, die von IAG in London sogar fünf Prozent.

Die Tochter war ein großer Bremsklotz für die deutsche Airline. Seit der Vollübernahme 2009 flog BMI Verluste von 315 Millionen Euro ein. BMI ist auf den britischen Markt fokussiert und passt daher nicht in das Streckennetz der Lufthansa. Zudem hatte Lufthansa BMI verstärkt als Ferienflieger in die Urlaubsländer Nordafrikas ausgerichtet. Dieses Geschäft brach jedoch wegen der Unruhen in der Region ein.

An BMI war auch Virgin Atlantic interessiert gewesen. Die Fluggesellschaft hatte aber laut Verhandlungskreisen Probleme, eine Finanzierung oder einen Partner zu finden. Neben Virgin und IAG, die aus dem Zusammenschluss von British Airways mit der spanischen Iberia hervorgegangen war, gab es eine Handvoll Bieter für die BMI.

Vor allem die Slots auf Europas größtem Flughafen London-Heathrow waren für die Interessenten attraktiv. BMI hält neun Prozent der im Branchenjargon Slots genannten Landerechte in Heathrow und liegt damit weit abgeschlagen hinter British Airways, die 42 Prozent kontrolliert. Die Rechte sind viel wert, da der Flughafen aus allen Nähten platzt. Neue Slots sind nicht in Sicht, da Pläne für den Bau einer dritten Landebahn wieder gekippt wurden. Am Frankfurter Flughafen ist dagegen Ende Oktober bereits die vierte Flugzeugpiste in Betrieb gegangen.

IAG IM SINKFLUG IAG kämpft unterdessen mit höheren Kerosinkosten. Der operative Gewinn fiel im dritten Quartal um 31 Prozent auf 363 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 350 Millionen Euro gerechnet. Die zweitgrößte europäische Airline nach Lufthansa schnitt damit auch besser als die meisten Konkurrenten ab. Wegen höherer Passagierzahlen stieg der Umsatz um etwa zwei Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro. "Wir rechnen damit, im Gesamtjahr den operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr in etwa zu verdoppeln", sagte IAG-Chef Willie Walsh.

- von Peter Maushagen

 
<p>The tail of of Germany's Deutsche Lufthansa aircraft is pictured at Frankfurt Airport April 7, 2010. REUTERS/Johannes Eisele</p>