Qiagen will bis zu zehn Prozent seiner Stellen streichen

Dienstag, 29. November 2011, 07:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Deutschlands größter Biotechkonzern Qiagen will im Zuge eines umfangreichen Sparprogramms bis zu zehn Prozent seiner Stellen streichen.

Mit dem Maßnahmenbündel wolle Qiagen seine Organisation straffen und das Unternehmen auf mehr Rendite trimmen, kündigte der Konzern am Montagabend in Venlo an. Insgesamt sollen 300 bis 380 von weltweit rund 3800 Stellen gestrichen werden. Die am stärksten betroffenen Standorte seien Hilden in Nordrhein-Westfalen und die Werke nahe der US-Hauptstadt Washington, sagte Konzernchef Peer Schatz im Gespräch mit Reuters. "In diesen beiden Standorten sind die größten Infrastrukturen." Diese wolle Qiagen umbauen und neu ausrichten.

Betriebsbedingte Kündigungen solle es in Deutschland aber nicht geben, betonte Schatz. Der Stellenabbau solle sozialverträglich über die Bühne gehen. Qiagen will mit dem Maßnahmenpaket ab 2012 jährlich rund 50 Millionen Dollar vor Steuern einsparen. Der größte Teil davon soll in Wachstumsfelder wie die molekulare Diagnostik reinvestiert werden. Auch sollen die Geschäfte in Asien, Lateinamerika und Osteuropa ausgebaut werden. Zudem will Qiagen einige Forschungs- und Entwicklungsprojekte einstellen und sich auf Kernprojekte konzentrieren.

Das Umbauprogramm ist mit Kosten von 70 Millionen Dollar vor Steuern im laufenden vierten Quartal verbunden. Für das Jahr 2012 rechnet Qiagen mit Restrukturierungskosten von rund 20 Millionen Dollar vor Steuern für weitere Maßnahmen, mit denen das Unternehmen zusätzliche Einsparungen erzielen will.

KOMMENDES JAHR SOLL MEHR WACHSTUM BRINGEN

Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Jahr ein Umbauprogramm aufgelegt, um seine Schlagkraft zu erhöhen. "Jetzt haben wir strategische Initiativen auf den Weg gebracht, um die nächste Wachstumswelle vorzubereiten", erklärte Schatz. Das auf Laborsysteme und Tests zum Nachweis von Krankheiten spezialisierte Unternehmen hatte zuletzt unter anderem unter der angespannten Wirtschaftslage in den USA gelitten. Vor allem im Geschäft mit Vorsorgetests zum Nachweis von Gebärmutterhalskrebs (HPV), einem Kernprodukt des Konzerns, bekam Qiagen dies zu spüren. Das Wachstum wurde dadurch 2009 und auch in diesem Jahr gedämpft.

Auf den bereinigte Gewinn je Aktie im vierten Quartal sowie im Gesamtjahr 2011 habe das Sparpaket keine Auswirkungen, sagte Schatz. Qiagen rechnet für 2011 mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0,96 bis 0,97 Dollar nach 0,93 Dollar im Jahr 2010. Für das kommende ist Qiagen zuversichtlich. "Nach wie vor gehen wir davon aus, dass Qiagen nächstes Jahr deutlich schneller wachsen kann als im Jahr 2011", sagte Schatz. Das gelte auch für die USA.