Commerzbank arbeitet an Eurohypo-Befreiungsschlag

Dienstag, 29. November 2011, 17:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Für die Commerzbank wird die Krisentochter Eurohypo zum Dreh- und Angelpunkt bei der Lösung der wachsenden Kapitalprobleme.

Bekäme das zweitgrößte deutsche Geldhaus den Staats- und Immobilienfinanzierer in den nächsten Monaten aus den Büchern, wären die schärferen Auflagen der europäischen Aufseher von der EBA kein Thema mehr. Doch die Eurohypo mit ihren Milliardensummen an Staatsanleihen aus den Euro-Schuldenstaaten im Portfolio ist derzeit unverkäuflich - das hat vor einigen Monaten sogar Finanzvorstand Eric Strutz zugegeben. Daher arbeiten die Experten in der Strategieabteilung der teilverstaatlichten Bank Finanzkreisen zufolge mit Hochdruck an Alternativen.

"Die Auslagerung toxischer Papiere in eine staatliche Bad Bank ist dabei eine der Optionen, die geprüft wird", sagte eine Person, die mit den Plänen vertraut ist, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei gehe es vor allem um das Staatsfinanzierungsgeschäft und faule Immobilienkredite, sagte ein weiterer Insider. Am Freitag berät der Aufsichtsrat über den nach seiner Ansicht besten Weg aus der Krise. Ob Berlin mitspielt, ist dabei alles andere als ausgemachte Sache.

Eigentlich hat Vorstandschef Martin Blessing neuerliche Staatshilfen für sein Haus ausgeschlossen. "Ich gehe da nicht nochmal hin", hatte er klargemacht. Vor drei Jahren musste die Bank in der Finanzkrise schon einmal mit 18 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalspritzen gerettet werden - das ging mit Gehaltsauflagen und Dividendenkürzungen einher. Eine Auslagerung von Teilen der Eurohypo in eine Bad Bank wäre auch eine Form staatlicher Hilfe. "Ob Blessing eine andere Wahl bleibt, ist sehr fraglich", sagte ein Insider. Die Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Auslöser für die neue Kapitallücke ist der aktuelle Blitz-Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA. Die Regulierer untersuchen, welcher Kapitalbedarf sich für die Institute ergibt, wenn sie die Staatsanleihen der Euro-Länder zu den teils stark gesunkenen Marktpreisen bewerten. Bei der Commerzbank kommt die EBA auf Basis der Zahlen des dritten Quartals laut Finanzkreisen auf ein Loch von fünf Milliarden Euro, das das Geldhaus Analysten zufolge aus eigener Kraft kaum stopfen kann.

Die Bank setzt vor allem auf den Abbau von Bilanzrisiken, um Kapital freizusetzen, da eine Kapitalerhöhung bei einem Aktienkurs von 1,33 Euro kaum möglich ist. So stellte die Verluste schreibende Tochter Eurohypo das Neugeschäft bereits komplett ein. "Eine Loslösung von toxischen Eurohypo-Teilen wäre ein Befreiungsschlag für die Commerzbank", sagte ein Banker. Hoffnungen auf eine solche Lösung trieben am Dienstag die Aktien der Bank zeitweise um 2,7 Prozent nach oben - stärker als der Markttrend.

STEUERZAHLERS RESTERAMPE

In der Bundesregierung hält sich die Begeisterung über eine erneute Bankenhilfe in Grenzen. Sie sieht weiter zunächst die Bank am Zug. Noch sei aber nicht klar, wie hoch deren Kapitalbedarf sei. "Es ist Aufgabe aller betroffenen Banken, wie auch der Commerzbank, ihre Pläne, durch welche Maßnahmen sie die Ziele erreichen wollen, der Bankenaufsicht vorzustellen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Wenn nötig, könnte der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin einspringen, sobald die gesetzliche Basis dafür geschaffen sei. Aus der Regierungspartei FDP kam Widerstand: "Der Staat ist nicht die Resterampe der Privatwirtschaft", erklärte FDP-Fraktionsvize Volker Wissing. Die Commerzbank solle selbst einen privaten Investor für die Eurohypo finden, forderte der finanzpolitische Sprecher der Partei.

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds SoFFin aufgelegt, der Milliardensummen in die Finanzbranche gesteckt hat. Er hat seine Tore für neue Hilfen eigentlich Ende 2010 geschlossen, wird nun aber möglicherweise reaktiviert und könnte damit für die Eurohypo zur Verfügung stehen. Zur Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate war ebenfalls eine Bad Bank gegründet worden, in der nun deren gesamter Bilanzschrott lagert.

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" erwägt die Bank eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Vor einem Jahr stand die Eurohypo Finanzkreisen zufolge noch mit rund 3,5 Milliarden Euro in den Büchern der Commerzbank, aber seither haben Milliardenabschreibungen den Wert gedrückt. "Es ist aber noch von einem Wert über einer Milliarde Euro auszugehen", sagte eine Person, die mit den Zahlen vertraut ist. Werden die Eurohypo-Teile bei einer Trennung niedriger bewertet, entsteht ein Verlust - doch der fällt deutlich weniger ins Gewicht als der positive Effekt der Kapitalentlastung. Immerhin hat die Eurohypo eine Bilanzsumme von mehr als 200 Milliarden Euro.

 
<p>The entrance of the German Commerzbank headquarters is pictured in Frankfurt November 4, 2011. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS)</p>