US-Verbraucher stürmen die Autohändler

Freitag, 2. Dezember 2011, 13:11 Uhr
 

Stuttgart/Detroit (Reuters) - Die Autofahrer in den USA lassen sich im Gegensatz zu den Europäern in ihrer Kauflaune von der Schuldenkrise nicht beirren und stürmen in Scharen zu den Autohändlern.

Im November verkauften die Autohersteller in den Vereinigten Staaten 14 Prozent mehr Pkw und leichte Nutzfahrzeuge als im Vorjahr. Damit stiegen die Verkaufszahlen den sechsten Monat in Folge. Vor allem die deutschen Hersteller konnten im vergangenen Monat punkten und ihren Marktanteil ausbauen, auch Toyota lieferte im November nach langer Talfahrt wieder mehr Pkw aus.

Nach dem kräftigen Absatzplus auf rund 976.200 Pkw steuert der US-Automarkt auf das Jahr hochgerechnet auf 13,6 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge zu. Die Verbraucher ersetzten trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit und der hohen Arbeitslosigkeit allmählich ihre alten Fahrzeuge durch Neuwagen, sagten Branchenanalysten. Das Durchschnittsalter des Pkw-Fuhrparks in den USA liegt inzwischen mit elf Jahren auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten und um zwei Jahre höher als 2007. "Die größte Veränderung in der Konsumentenstimmung ist, das die Verbraucher inzwischen begreifen, dass die Unsicherheit nicht so bald verschwinden wird", sagte Branchenanalyst Jesse Toprak von Truecar.com. "Das schlägt sich positiv in den Autoverkäufen nieder."

Die großen Gewinner im November waren Volkswagen, Mercedes-Benz und der koreanische Autobauer Kia mit Zuwächsen bei den Verkaufszahlen von mehr als 40 Prozent. In der von großen Pick-Up-Trucks der Marken Ford und GM angeführten Rangliste der meistverkauften Fahrzeuge arbeitete sich VW mit dem Jetta auf Platz 17 vor. Deutlich vor den Wolfsburgern rangiert in den USA der japanische Autobauer Toyota, der im November nach sechs verkaufsschwachen Monaten in der Käufergunst wieder zulegte. Toyota behauptete sich damit als drittgrößter Autoverkäufer in den USA vor dem Konkurrenten Chrysler, dessen Verkäufe um 45 Prozent nach oben sprangen und sich nach der Pleite vor zwei Jahren und der Übernahme durch Fiat damit weiter erholten.

Marktführer GM verbuchte mit knapp sieben Prozent nur geringe Zuwächse bei den Verkaufszahlen, beim Branchenzweite Ford legte der Absatz doppelt so schnell zu. Im Trend mit dem Gesamtmarkt verkaufte BMW knapp 15 Prozent mehr Autos, der in den USA weit abgeschlagene Autobauer Audi musste sich mit einem Plus von 3,6 Prozent zufrieden geben. Absatzeinbußen mussten Porsche sowie die japanischen Hersteller Mitsubishi und Honda wegstecken. Bei Porsche machte sich der anstehende Modellwechsel beim Flaggschiff 911 in Lieferengpässen bemerkbar. Honda erholt sich nur langsam von den Produktionsunterbrechungen im Zuge der jüngste Flutkatastrophe in Südostasien. Am Freitag riefen die Japaner zudem rund 300.000 Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit den Airbags in die Werkstätten zurück. Die Airbags könnten bei einem Unfall platzen, warnte Honda seine Kunden.