SAP drängt mit Übernahme auf Zukunftsmarkt Mietsoftware

Sonntag, 4. Dezember 2011, 15:38 Uhr
 

Berlin (Reuters) - SAP will sich mit der Übernahme des US-Softwarehauses SuccessFactors zum Marktführer bei Mietsoftware aufschwingen - und greift dafür tief in seine prall gefüllte Kriegskasse:

Mit gut 2,5 Milliarden Euro bezahlt SAP gut 50 Prozent Aufschlag auf den Börsenwert der auf Personal-Management spezialisierten Softwareschmiede SuccessFactors. Im Zukunftsmarkt Cloud-Computing tritt SAP gegen Konkurrenten wie Oracle, Microsoft und IBM an. Die am Samstagabend bekanntgegebene Übernahmeofferte soll im ersten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden und SAP ab 2013 zu einer höheren Profitabilität verhelfen. Auch die für 2015 angepeilte Umsatzmarke von 20 Milliarden Euro soll SAP nun schneller erreichen.

"Gemeinsam werden wir die Branche anführen", sagte SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe. Mit Hilfe von SuccessFactors könne SAP neben dem angestammten Verkauf von Software-Lizenzen zur Unternehmenssteuerung künftig auch jede Software zur Miete anbieten und auf Mobil-Computern zur Verfügung stellen. Denn SuccessFactors habe viel Kompetenz bei der Programmierung von Cloud-Anwendungen. Beim Cloud ("Wolke")-Computing werden Daten und Programme nicht mehr auf PC, Smartphone oder Laptop gespeichert, sondern von Servern aus über das Internet zur Verfügung gestellt. Ende Oktober hatte Oracle für 1,5 Milliarden Dollar den Cloud-Spezialisten RightNow Technologies gekauft.

Nun kontert SAP mit einer Übernahmeofferte an die Aktionäre von SuccessFactors und bietet 3,4 Milliarden Dollar. Vom Verwaltungsrat bekamen die Walldorfer bereits grünes Licht, in den kommenden Wochen müssen die Aktionäre über die Annahme der SAP-Offerte entscheiden. SAP will mindestens die Mehrheit der Aktionäre überzeugen, zudem müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

SAP SETZT NACH TRIPPELSCHRITTEN NUN ZUM GROSSEN SPRUNG AN

SAP hat sich bisher in Trippelschritten in den Zukunftsmarkt Mietsoftware vorgearbeitet und zunächst auf eigene Lösungen gesetzt. Erst nach Startschwierigkeiten brachten die Walldorfer Mitte vergangenen Jahres ihre Mittelstands-Software Business by Design auf den Markt, die den Weg in den Milliarden-Markt für internetbasierte Software-Modelle ebnen sollte. Für die mit hohem finanziellen Aufwand entwickelte Software, die zur Miete über das Internet abgeboten wird, will SAP am Ende dieses Jahres 1000 Kunden haben. Zum Vergleich: Im klassischen Geschäft zählt SAP derzeit gut 175.000 Kunden, die Software-Lizenzen von den Walldorfern kaufen.

Gemeinsam mit der vor vier Jahren an die Börse gegangenen Softwareschmiede SuccessFactors und ihren knapp 1500 Mitarbeitern soll nun der Durchbruch gelingen. Bisher zählen die die Kalifornier rund 3500 Kunden weltweit, die für die Nutzung von Personal-Management-Software über das Internet zahlen. 2012 soll der Umsatz auf gut 330 Millionen Dollar steigen. Zudem soll in Kürze die Gewinnschwelle erreicht werden, wobei Sondereffekte wie die Kosten für Aktienoptionsprogramme aber ausgeklammert werden. Bislang sei es schwierig sei, im Cloud-Computing Geld zu verdienen, räumt SAP ein. Die Übernahme von SuccessFactors werde das Ergebnis von SAP im kommenden Jahr zunächst belasten, in den Folgejahren aber zum Gewinn beitragen.

Durch den Zusammenschluss von SAP und SuccessFactors entstehe "ein Kraftwerk für Cloud Computing", begründete SAP-Co-Vorstandschef Bill McDermott die dritte Großübernahme in den vergangenen vier Jahren. "Obwohl wir weiterhin vorrangig organisch wachsen wollen, unternehmen wir etwas, wenn wir uns schneller mit Hilfe einer Übernahme entwickeln können", sagte der Manager, der den Walldorfer Konzern seit Anfang 2010 gemeinsam mit Hagemann Snabe führt. SuccessFactors-Chef Lars Dalgaard, der in den SAP-Vorstand einrücken soll, sagte, die Übernahme bringe das Unternehmen mit einem Sprung um zehn Jahre voran.

Im Gegensatz zum Konkurrenten Oracle, der seit Jahren auf Einkaufstour ist, hat SAP in den vergangenen Jahren nur zwei große Akquisitionen getätigt: Im Mai 2010 kündigten die Walldorfer die Übernahme von Sybase für 4,6 Milliarden Euro an, um die Geschäfte mit Software für mobile Computer und Smartphones voranzutreiben. Im Oktober 2007 war der Kauf von Business Objects, einem Software-Anbieter zur Analyse von Geschäftsdaten, für 4,8 Milliarden Euro angekündigt worden. Den Kauf von SuccessFactors für 40 Dollar je Aktie will SAP in bar sowie mit einem Kredit über eine Milliarde Euro finanzieren. Ende Oktober hatten die Walldorfer freie Mittel von nahezu fünf Milliarden Euro. Der hohe Angebots-Aufschlag auf den Aktienschlusskurs von Freitag in Höhe 26,25 Dollar dürfte eine gegnerische Offerte für SuccessFactors teuer machen.

Marktforscher erwarten, dass in den kommenden Jahren immer mehr Software über das Internet genutzt und gemietet wird. Das Marktvolumen könne sich in den kommenden neun Jahren auf rund 240 Milliarden Dollar versechsfachen, rechneten die Experten von Forrester unlängst vor.

- von Hendrik Sackmann

 
<p>CEOs of German software group SAP Bill McDermott (R) and Jim Hagemann Snabe pose prior to the company's general shareholder assembly in Mannheim, May 25, 2011. REUTERS/Alex Domanski</p>