Lufthansa sagt mit BMI-Verkauf Großbritannien Goodbye

Donnerstag, 22. Dezember 2011, 15:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Lufthansa sagt Großbritannien Goodbye. Die Kranich-Airline gibt ihre verlustträchtige Tochter British Midland (BMI) an den großen Rivalen British Airways ab.

Lufthansa-Chef Christoph Franz kann sich nun den nächsten Sanierungsfällen im Konzern wie Austrian Airlines widmen und sein geplantes Milliarden-Sparprogramm vorantreiben. BMI gehe für brutto 207 Millionen Euro an den British-Airways-Mutterkonzern IAG, teilten Lufthansa und IAG am Donnerstag mit. Unter dem Strich sei das für die Lufthansa wahrscheinlich ein Verlustgeschäft, da etwa noch Pensionsverpflichtungen für BMI übernommen werden.

An der Börse kam der Abschluss des Geschäfts gut an: Die Lufthansa-Aktie stieg um bis zu zwei Prozent. BMI war ein großer Bremsklotz für die deutsche Fluggesellschaft. Seit der Vollübernahme 2009 flogen die Briten Verluste von 315 Millionen Euro ein. BMI ist auf den britischen Markt fokussiert und passt daher nicht in das Streckennetz der Lufthansa. Zudem hatte Lufthansa BMI verstärkt als Ferienflieger in die Urlaubsländer Nordafrikas ausgerichtet. Das Geschäft brach jedoch wegen der Unruhen in der Region ein. Willie Walsh, Chef der aus British Airways und Iberia bestehenden Flug-Holding IAG, kündigte an, bei BMI umgehend durchzugreifen. "In Anbetracht der großen Verluste bei BMI ist eine Restrukturierung des Geschäfts dringend erforderlich." Der Abbau von Stellen sei unumgänglich.

UNSICHERHEITSFAKTOR KARTELLAMT

An BMI war auch die Fluglinie Virgin Atlantic interessiert, die vom britischen Milliardär Richard Branson gegründet wurde. Bis zuletzt verhandelte die Lufthansa parallel mit beiden Bietern. Virgin hoffte darauf, dass die Wettbewerbsbehörden sich gegen den Zusammenschluss zweier großer britischer Fluggesellschaften aussprechen. Bedenklich sei insbesondere die dominante Position von British Airways am Großflughafen London-Heathrow, die durch die Transaktion noch gestärkt werde, argumentierte Virgin. Auch nach dem Verkauf von BMI an British Airways lässt Branson nicht locker: Er kündigte eine Beschwerde gegen den Deal bei den Kartellwächtern an.

Die Transaktion ist deshalb noch längst nicht in trockenen Tüchern. Die Lufthansa betonte, dass der Deal nur gelte, wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben. Endgültig Klarheit solle bis Ende März herrschen.

BMI hält neun Prozent der wichtigen Landerechte - im Branchenjargon: Slots - in Heathrow, British Airways kontrolliert 42 Prozent. Die Rechte sind viel wert, da Europas größter Flughafen aus allen Nähten platzt. Neue Slots sind nicht in Sicht, da Pläne für den Bau einer dritten Landebahn wieder gekippt wurden. Am Frankfurter Flughafen ist dagegen Ende Oktober bereits die vierte Flugzeugpiste in Betrieb gegangen.

SPARPROGRAMM

Ohne das Sorgenkind BMI hat die Lufthansa mehr finanziellen Spielraum für den Umbau ihres Geschäfts. Der ist schon beschlossene Sache - nächstes Jahr komme ein neues Sparprogramm auf das Unternehmen zu, kündigte Konzernchef Franz vor wenigen Tagen an. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge plant Franz, alle internen Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Bringen solle das eine Kostenreduktion von insgesamt 1,5 Milliarden Euro über mindestens zwei Jahre. Eine Lufthansa-Sprecherin wollte das nicht kommentieren.

Die Lufthansa hat auch ohne BMI noch genug Probleme: Tochter-Airlines wie Austrian Airlines und der Billigableger Germanwings fliegen seit Jahren Verluste ein und müssen wieder in die schwarzen Zahlen. Gleichzeitig trüben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft ein und die Konkurrenz am Himmel wird immer härter. So drängen die mächtigen Golf-Airlines wie stärker nach Europa: Etihad aus dem Öl-Emirat Abu Dhabi stieg jüngst bei Air Berlin ein, Emirates baut sein Deutschland-Angebot aus und fliegt seit kurzem mit dem Großraumjet A380 München an.

 
<p>The first aircraft in the BMI Baby fleet takes off from East Midlands Airport, March 20, 2002. REUTERS/Darren Staples</p>