Schwache Nachfrage der Elektrobranche setzt DuPont zu

Dienstag, 24. Januar 2012, 17:14 Uhr
 

Wilmington (Reuters) - Ein überraschend scharfer Nachfragerückgang bei Solar- und Elektronik-Materialien hat dem US-Chemiekonzern DuPont zu schaffen gemacht.

Der BASF-Konkurrent setzte im vierten Quartal zwar höhere Preise für viele seiner Chemieerzeugnisse durch, wie DuPont am Dienstag mitteilte. Dennoch verfehlte der in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware ansässige Konzern mit seinen Umsatzzahlen die Erwartungen der Wall Street. Das Schlussquartal eines Jahres ist für die Chemieindustrie traditionell eher schwach. Bei DuPont kam diesmal hinzu, dass es viele Kunden wegen der unsicheren Konjunkturentwicklung vorzogen, erst einmal ihre Lager abzubauen statt ihre Bestände aufzufrischen.

Konzernchefin Ellen Kullman äußerte sich dennoch zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. "Wir haben 2011 außergewöhnliche Jahresergebnisse geliefert trotz eines erheblichen Gegenwindes von den Märkten zum Jahresende hin," erklärte sie. DuPont bleibe daher gut gerüstet, um seine Kunden zu bedienen. Es gebe einen Umschwung in Schlüsselmärkten, zudem eröffneten sich für DuPont neue Chancen durch das weltweite Bevölkerungswachstum. Für das laufende Jahr bekräftigte sie ihre Erwartung eines Gewinns je Aktie von 4,20 bis 4,40 Dollar.

DuPont erzielte im viertel Quartal 373 Millionen Dollar Gewinn nach 376 Millionen Dollar vor Jahresfrist. Ohne Sonderposten verdiente der US-Konzern je Aktie 35 Cent. Analysten hatten mit zwei Cent weniger gerechnet. Der Chemieriese, der unter anderem für seine Kevlar-Schutzwesten und Titanium-Dioxid-Pigmente bekannt ist, setzte in den Monaten Oktober bis Dezember 8,43 Milliarden Dollar um. Das waren zwar 14 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Analysten hatten DuPont jedoch im Schnitt 8,53 Milliarden Dollar zugetraut. Damit verfehlte DuPont erstmals seit dem 3. Quartal 2009 die Umsatzschätzungen der Analysten.

An der Börse überzeugten Zahlenwerk und Ausblick nicht: Die DuPont-Aktie büßte zum Handelsstart 0,7 Prozent ein. Analysten verwiesen auf das insgesamt schwierige konjunkturelle Umfeld. "Die Weltwirtschaft hat hier eine Auszeit genommen", kommentierte Mark Gulley von Ticonderoga Securities die Quartalsbilanz. Die Chemiebranche gilt als gutes Barometer für die Konjunktur, da sie nahezu alle Industriezweige als Abnehmer hat.

Der Lagerabbau bei den Kunden zeigte sich im vierten Quartal in einem zehnprozentigen Absatzeinbruch. Dagegen standen Preiserhöhungen von 14 Prozent, Zukäufe steuerten zehn Prozent Plus zum Umsatz bei. DuPont hatte im vergangenen Jahr für rund 6,4 Milliarden Dollar den dänischen Lebensmittelzusatz-Hersteller Danisco übernommen. Bei einigen Produkte für die Elektronikbranche schraubte Dupont seine Preise um 15 Prozent nach oben, um so gestiegene Rohstoffpreise an die Kunden abzuwälzen. In der Folge brach allerdings der Umsatz mit Materialien für die Solar- und Elektronikbranche um 18 Prozent auf 630 Millionen Dollar ein. DuPont stellt unter anderem Metallpasten für Solarzellen her.

LANDWIRTSCHAFTSCHEMIE GLÄNZT MIT ZUWÄCHSEN

Ein Lichtblick blieb das Geschäft mit Gen-Saatgut und Agrochemikalien. Im Vorfeld der Pflanzungssaison in Nordamerika deckten sich Landwirte kräftig ein und verhalfen dem Agrochemiegeschäft zu eimem Umsatzplus von acht Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. DuPont brachte in der Bilanz allerdings auch 100 Millionen Dollar an Sonderkosten im Zusammenhang mit einem Streit über die Umweltverträglichkeit eines Unkrautvernichters unter. Die US-Umweltbehörde EPA hatte DuPont im August aufgefordert, den Verkauf des Herbizids Imprelis zu stoppen. Kunden hatten sich beschwert, dass das Mittel verschiedene Baumarten schädige.

Wie sich die deutsche Chemiebranche zum Jahresende hin schlug, dürfte im Februar klar werden. Branchenprimus BASF will seinen Bericht zum Gesamtjahr und vierten Quartal am 24. Februar veröffentlichen. Am 28. Februar will dann rheinabwärts der Rivale Bayer folgen.