Biotechprimus Amgen setzt auf seine neuen Medikamente
New York (Reuters) - Der weltgrößte Biotechnologie-Konzern Amgen rechnet für das laufende Jahr mit einem starken Absatz seiner Medikamente.
Dabei setzt das kalifornische Unternehmen unter anderem auf neue Arzneien gegen Knochenschwund sowie Krebs. Amgen-Chef Kevin Sharer will das Geschäft zudem durch die milliardenschwere Übernahme des kleineren US-Rivalen Micromet weiter ausbauen. Durch den Zukauf des Unternehmens, das seine Forschung nahe München betreibt, soll auch die Marktstellung in Deutschland verbessert werden. Anleger reagierten positiv: Im nachbörslichen Handel in den USA gewannen Amgen-Aktien ein Prozent, an der Frankfurter Börse lagen Amgen-Titel am Freitag ebenfalls im Plus.
"Wir verlassen das Jahr 2011 mit einem guten Schwung und der Ausblick für 2012 ist sogar noch stärker", gab sich Amgen-Chef Sharer zuversichtlich. Im vergangenen Jahr setzte das in Thousand Oaks ansässige Unternehmen 15,6 Milliarden Dollar um - das ist ein Zuwachs von vier Prozent binnen Jahresfrist. Der bereinigte Gewinn je Aktie nahm um zwei Prozent auf 5,33 Dollar zu. Im vierten Quartal schnitt Amgen allerdings mit 1,21 Dollar je Anteilsschein einen Cent schwächer ab verglichen mit den Erwartungen der Analysten.
Für das laufende Jahr stellte Amgen-Chef Sharer einen Anstieg des Konzernumsatzes auf 16,1 bis 16,5 Milliarden Dollar in Aussicht. An der Wall Street wurde bislang von 16,05 Milliarden Dollar ausgegangen. Seinen bereinigten Gewinn je Aktie will Amgen auf 5,90 bis 6,15 Dollar steigern. Analysten hatten Amgen zuletzt lediglich 5,94 Dollar zugetraut. "Amgen hatte versprochen, 2012 vor allem finanziell eine starke Leistung abzuliefern und sie scheinen sich daran zu halten", sagte Analyst Eric Schmidt von Cowen & Co.
PROLIA UND XGEVA STARK - UMSATZ MIT ARANESP RÜCKLÄUFIG
Im vergangenen Jahr lief bei Amgen das Geschäft mit neueren Präparaten besonders rund. Die Umsätze mit dem Osteoporose-Präparat Prolia beispielsweise kletterten binnen Jahresfrist auf 203 (2010: 33) Millionen Dollar. Sowohl in den USA als auch im internationalen Geschäft war der Zuwachs deutlich. Auch beim neuen Krebspräparat Xgeva zur Verhinderung von Knochenbrüchen schoss der Umsatz kräftig nach oben. Experten zufolge könnten die zwei Arzneien in nächster Zeit die wichtigsten Wachstumstreiber des Konzerns werden und Umsatzrückgänge bei älteren Anämie-Präparaten zum Teil abfedern. Mit dem Arthritis-Mittel Enbrel erzielte Amgen Umsätze von 3,7 Milliarden Dollar - ein Plus von fünf Prozent. Dagegen gingen 2011 im Geschäft mit dem älteren Änemie-Medikament Aranesp die Erlöse um sieben Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar zurück.
MICROMET-KAUF SOLL KREBSMEDIZIN-ENTWICKLUNG STÄRKEN
Um die rückläufigen Umsätzen mit Anämiemitteln abzufedern soll auch das Geschäft mit Krebsmedizin weiter ausgebaut werden. Dazu gehört auch die geplante Übernahme des Biotech-Rivalen Micromet für 1,16 Milliarden Dollar, die Amgen noch im ersten Quartal dieses Jahres abschließen will. Die in Rockville im US-Bundesstaat Maryland ansässige Micromet wurde vor 19 Jahren in Deutschland gegründet. Seine Forschung- und Entwicklung mit rund 200 Beschäftigten betreibt Micromet vor allem in Martinsried bei München. Der Standort soll auch nach der Übernahme erhalten bleiben. "Für uns ist natürlich auch wichtig, dass wir jetzt eine noch stärkere Präsenz in Deutschland haben", sagte der Europa-Chef von Amgen, Carsten Thiel, zu Reuters. Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen gebe es nicht.
Mit Micromet sichert sich Amgen eine Antikörper-Technologie für die Krebsmedizin mit dem Namen "BiTE" und die dazugehörigen Rechte auf die fertigen Produkte. BiTE-Antikörper sollen die T-Zellen im Abwehrsystem des Körpers darauf ausrichten, Tumorzellen zu bekämpfen. Wichtigstes Entwicklungsprojekt der Biotechfirma, die unter anderem mit den französischen Pharmakonzern Sanofi und den deutschen Wettbewerbern Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck zusammenarbeitet, ist die Substanz Blinatumomab. Der Antikörper steckt bereits in der zweiten Phase der klinischen Prüfung zur Bekämpfung von Blutkrebs.
© Thomson Reuters 2012 Alle Rechte vorbehalten.

