Gea von Konjunktursorgen noch unbelastet

Montag, 6. Februar 2012, 19:09 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Nach sprudelnden Gewinnen und einer Auftragsflut im Vorjahr erwartet der Anlagenbauer Gea trotz zunehmender Konjunktursorgen weiteres Wachstum.

"Die aktuelle Weltwirtschaft führt derzeit noch nicht zu einer Abkühlung bei Gea", sagte Finanzvorstand Helmut Schmale am Montag in Düsseldorf. Die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie bewege sich weiter auf hohem Niveau. Der Auftragseingang im Januar liege leicht über dem Vorjahreswert und die Projektpipeline sei gut gefüllt, betonte Schmale.

Konzernchef Jürg Oleas kündigte weitere Zukäufe an. Dafür will er bis zu 500 Millionen Euro in die Hand nehmen. Der Vorstand nimmt vor allem Anlagenbauer, die für die Lebensmittelindustrie produzieren, ins Visier. In dem Bereich erzielt Gea etwa 52 Prozent seiner Umsätze. Vor allem die aufstrebenden Märkte wie Lateinamerika, Nordafrika und Osteuropa hätten hier großen Nachholbedarf.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie legte zeitweise um über vier Prozent auf 26,65 Euro zu, am Nachmittag notierte sie noch mit knapp zwei Prozent im Plus. Reihenweise hoben Analysten ihr Kursziel an und empfahlen die MDax-Titel zum Kauf. Markus Turnwald von der DZ Bank etwa sieht Gea gut positioniert: "Da der Ausblick zu Beginn des Jahres in der Regel sehr konservativ ist, sehen wir Spielraum für weitere Erhöhungen im Jahresverlauf". Equinet hob das Kursziel auf 29 von 26 Euro an, die WestLB sogar auf 32,70 Euro.

DIVIDENDE SOLL NACH GEWINNSPRUNG STEIGEN

Für Rückenwind sorgte 2011 die neue Sparte mit Maschinen zur Herstellung und Verarbeitung von Fertigprodukten. So legte der Umsatz insgesamt um 23 Prozent auf 5,417 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang auf 5,61 Milliarden. Der operativen Gewinn (Ebit) - vor Kaufpreisallokationen - stieg um rund 43 Prozent auf 525 Millionen Euro. Der Nettogewinn schnellte nach ersten Berechnungen um über 130 Prozent auf 310 Millionen Euro; allerdings hatten 2010 noch Kosten für Restrukturierungen das Ergebnis belastet. Die Aktionäre sollen eine um 15 auf 55 Cent angehobene Dividende erhalten.

Mit den Geschäftszahlen übertraf Gea sowohl die eigenen Erwartungen wie auch die der Analysten. "Das Geschäftsjahr 2011 war insbesondere vom besten operativen Ergebnis sowie dem größten Auftragsvolumen seit über zehn Jahren geprägt", sagte Oleas. Vor allem die Profitabilität habe die Erwartungen klar übertroffen.

Im laufenden Jahr peilt der Vorstand ein Plus beim Auftragseingang um bis zu fünf Prozent an und beim Umsatz um mindestens fünf Prozent. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge), die im vergangenen Jahr 9,7 Prozent erreichte, soll leicht steigen.

Der deutsche Maschinenbau erwartet in diesem Jahr ein Abflauen des Booms: Währungsturbulenzen und die weltweit trüben Wirtschaftsaussichten werden nach Verbandsangaben ihre Spuren in den Orderbüchern der Branche hinterlassen, zu der neben Gea und zahlreichen Mittelständlern auch ThyssenKrupp und Gildemeister gehören. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet daher nur noch ein Produktionsplus von vier Prozent nach 14 Prozent in 2011.