Streik entfacht Sicherheits-Debatte um Airport Frankfurt

Dienstag, 21. Februar 2012, 18:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Streit um die Sicherheit am Frankfurter Flughafen: Airport-Betreiber Fraport gefährdet nach Ansicht der Gewerkschaft GdF durch seine Anti-Streik-Maßnahmen die Sicherheit der Passagiere.

Um die Auswirkungen des Arbeitskampfes der Vorfeld-Mitarbeiter zu begrenzen, setzt Fraport angelernte Ersatzkräfte ein. Die Gewerkschaft hält das für ein großes Risiko. "Da werden nämlich Leute eingesetzt, die nur in zwei Tagen geschult werden für Aufgaben, die andere in sechs Monaten erlernen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) am Dienstag Reuters TV. Unklar sei, ob alle Ersatzleute die erforderlichen Lizenzen aufweisen könnten und ob die Ruhezeiten eingehalten würden.

Fraport weist die Vorwürfe zurück. "Die Kollegen sind alle zertifiziert", sagte ein Konzernsprecher. Die nun eingesetzten Vorfeldlotsen etwa, die die Jets über das Rollfeld dirigieren, hätten den Job schon vorher gemacht. Da der Streik bereits vor Wochen absehbar gewesen sei, habe Fraport sich darauf eingestellt und die Mitarbeiter nachgeschult. Auch bei Pausen und Arbeitszeiten würden die gesetzlichen Vorgaben eingehalten, sagte er. Das hessische Verkehrsministerium hat an dem Vorgehen nichts auszusetzen. Auswahl und Training des Personals seien allein Sache von Fraport, sagte eine Sprecherin.

Unterdessen spielt sich der Notbetrieb an Deutschlands größtem Luftdrehkreuz ein. Am Dienstag, dem vierten Streiktag, fielen noch 200 der insgesamt 1200 für den Tag geplanten Flüge aus - am Vortag waren es noch 240. "Wir sind guten Mutes, den Verkehr in den nächsten Tagen noch besser in den Griff zu kriegen", sagte Fraport-Personalvorstand Herbert Mai. Bei der Lufthansa fielen am Dienstag 160 Flüge aus, am Montag hatte die Kranich-Linie noch 200 Verbindungen annullieren müssen. Kunden können ihre Reise kostenlos stornieren, auf einen anderen Tag verschieben oder auf die Bahn umbuchen.

JEDEN TAG EIN BISSCHEN MEHR STREIK

Ein Ende des Ausstands ist nicht in Sicht - die 200 Flugzeugeinweiser und der Airport weichen im Tarifclinch keinen Millimeter von ihren Positionen ab. Die GdF erhöhte am Dienstag den Druck und rief die Vorfeld-Beschäftigten am Frankfurter Airport auf, die Arbeit bis Freitag um 23.00 Uhr niederzulegen - ursprünglich sollte der Streik am Mittwochmorgen um 5.00 Uhr enden.

Die Fronten in dem seit Monaten schwelenden Lohnstreit sind verhärtet, eine schnelle Einigung ist nicht absehbar. Die Tarifparteien belauern sich und hoffen darauf, dass der andere den ersten Schritt macht. Derzeit herrscht Funkstille - beide Seiten reden nicht einmal miteinander. Es könne noch dauern, bis die Gespräche wieder aufgenommen würden, sagte Fraport-Manager Mai. "Wir können den Streik auch noch wochenlang aushalten", ergänzte er.

Die Gewerkschaft verlangt deutliche Lohnerhöhungen für die 200 Flugzeug-Einweiser in Frankfurt. Die Arbeit der Vorfeld-Beschäftigten, die den Jets etwa Parkpositionen zuweisen, sei mit der Eröffnung der vierten Landebahn wesentlich anspruchsvoller geworden, argumentieren die Arbeitnehmervertreter. Fraport spricht dagegen von überzogenen Forderungen der GdF, die auf Gehaltserhöhungen um bis zu 70 Prozent hinauslaufen würden. Ein Gütevorschlag des als Schlichter eingesetzten früheren Ersten Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust brachte keinen Durchbruch. Die Gewerkschafter hatten den Schlichterspruch angenommen, Fraport hatte ihn jedoch abgelehnt. Das Pikante daran: Der Flughafenkonzern hatte Beust selbst benannt, den Kompromiss aber nicht angenommen, da er das Gehaltsgefüge innerhalb des Unternehmens sprengen würde.

An den ersten beiden Streiktagen Ende vergangener Woche gingen Fraport nach früheren Angaben zusammen 3,5 bis vier Millionen Euro Umsatz verloren. Die Lufthansa büßte nach Analystenschätzungen an den beiden Tagen insgesamt 40 Millionen Euro an Umsatz ein.

 
Passengers rest on chairs at the main terminal of Frankfurt's airport February 21, 2012. Strikes at Frankfurt airport, Germany's largest, will continue until the weekend, the GdF union, resulting in more flight cancellations and delays. Just under 200 apron control workers, such as those who guide aircraft to parking places, are striking over a pay dispute with Fraport, which runs the airport.    REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS TRANSPORT EMPLOYMENT)