Reform des US-Dialysemarktes bremst FMC aus

Dienstag, 21. Februar 2012, 17:07 Uhr
 

Bad Homburg (Reuters) - Die Reform des weltgrößten Dialysemarkts Amerika macht dem Blutwäschekonzern FMC zu schaffen.

Das Unternehmen blieb mit seinen Ergebnissen 2011 hinter den Markterwartungen zurück und konnte die Investoren auch mit seinem Ausblick für 2012 nicht überzeugen. "Für die Branche ist das die größte Umstellung seit 25 Jahren", sagte der stellvertretende FMC-Chef Rice Powell am Dienstag in Bad Homburg zu Reuters. "Das ist nichts, was man in ein paar Quartalen verarbeitet." Die US-Krankenversicherung Medicare rechnet Dialysebehandlungen seit Anfang 2011 pauschal ab - eine Umstellung, die auch Konkurrenten wie DaVita belastete.

"Die Anpassungseffekte in den USA haben etwas stärker auf die Zahlen durchgeschlagen als erwartet", urteilte DZ-Bank-Analystin Christa Bähr. Auch 2012 werde für FMC "ein Übergangsjahr", weil der Konzern die drei 2011 eingefädelten Übernahmen integrieren müsse. Spätestens nach der Integration der Zukäufe werde sich das Wachstum von FMC aber ab 2013 wieder beschleunigen, stellte FMC-Vize Powell in Aussicht. Der Amerikaner tritt im nächsten Jahr die Nachfolge des 71-jährigen FMC-Chefs Ben Lipps an, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft.

Innerhalb des Fresenius-Konzerns mit seinen fast 150.000 Mitarbeitern hat die Jahre lang dominierende Tochter FMC deutlich an Bedeutung verloren. 2011 trug sie nur noch ein Drittel zum Konzerngewinn von 770 Millionen Euro bei. "Ich sehe im Moment bei Fresenius mehr Wachstumspotenzial und positives Überraschungspotenzial als bei FMC", betont Analystin Bähr unter Verweis auf die florierenden Geschäfte der Krankenhaustochter Helios und der Sparte Kabi, die auf intravenös zu verabreichende Nachahmermedikamente spezialisiert ist.

Fresenius selbst strebt nach dem Rekordgewinn 2011 nach neuen Bestwerten. "Wir beginnen das Jahr 2012 voller Zuversicht", sagte Schneider. "Auch in Zukunft bieten sich in allen unseren Unternehmensbereichen ausgezeichnete Wachstumsmöglichkeiten." Im laufenden Jahr peilt der Konzernchef einen Gewinnanstieg von acht bis elf Prozent an, blieb damit aber hinter den Erwartungen der Experten zurück. "Das sind sehr konservative Prognosen", sagte Analystin Bähr.

Schneider hatte im November 2011 die Umsatzprognose des Konzerns heruntergeschraubt - ein sehr seltener Vorgang bei dem für seine Konstanz bekannten Konzern. Wohl auch vor diesem Hintergrund sei der Ausblick von Fresenius und FMC für 2012 sehr vorsichtig ausgefallen, sagte die DZ-Bank-Analystin. Die Aktien von Fresenius und der ebenfalls im Dax notierten Dialysetochter FMC gaben jeweils rund 0,5 Prozent nach.

19. DIVIDENDEN-ERHÖHUNG IN FOLGE

Im Gegensatz zu klassischen Pharmakonzernen ist Fresenius nicht von der Entwicklung patentgeschützter Arzneimitteln abhängig, sondern profitiert als Produzent von Generika sogar von den Patentabläufen vieler umsatzträchtiger Medikamente. Bei der US-Gesundheitsbehörde FDA habe der Konzern die Zulassung für 24 neue Mittel beantragt, 30 weitere Zulassungsanträge seien in der Vorbereitung, sagte Konzernchef Schneider.

Währungsbereinigt will der Vorstandschef den Umsatz 2012 um zehn bis 13 Prozent ausbauen. Im vergangenen Jahr kletterten die Erlöse um drei Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Die Aktionäre dürfen sich für 2011 auf eine höhere Dividende von 0,95 Euro je Aktie freuen nach 0,86 Euro vor Jahresfrist. Damit hebt Fresenius die Ausschüttung zum 19. Mal in Folge an.

Das hessische Unternehmen ist in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Übernahmen zu einem globalen Firmen-Konglomerat gewachsen. 2011 kündigte der Konzern unter anderem den Kauf der deutschen Klinikkette Damp sowie von drei Dialyse-Anbietern in den USA und Osteuropa an. In der Folge stiegen die Nettofinanzverbindlichkeiten um 14 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Trotz der Einkaufstour will Fresenius auch 2012 innerhalb des selbst gesteckten Schuldenobergrenze vom 2,5- bis dreifachen des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bleiben. Ende 2011 lag der Verschuldungsgrad bei 2,83.

Auch an kleinen und mittelgroßen Zukäufen sei Fresenius weiter interessiert, betonte Vorstandschef Schneider. Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung weiterer Zukäufe wolle er jedoch auf jeden Fall vermeiden. "Ein Kapitalerhöhung ist für das uns das aller letzte Mittel. Pläne dafür gibt es nicht."

 
The Headquarters of Fresenius is pictured in Bad Homburg near Frankfurt February 24, 2010. REUTERS/Johannes Eisele (GERMANY - Tags: BUSINESS HEALTH)