Streik am Frankfurter Flughafen vorerst vorbei

Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:31 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Streik am Frankfurter Flughafen ist vorerst vorbei: Ab Donnerstagmorgen soll der Verkehr an Deutschlands größtem Luftdrehkreuz wieder weitestgehend normal laufen.

Nach fünf Tagen Streik wollen die 200 Flugzeug-Einweiser ihren Tarifkonflikt mit Airport-Betreiber Fraport wieder am Verhandlungstisch lösen. Den Durchbruch brachte ein neues Gesprächsangebot von Fraport-Chef Stefan Schulte an die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), die die rund 200 Vorfeld-Angestellten vertritt.

"Wir haben das Gesprächsangebot des Flughafens angenommen", sagte ein Sprecher der GdF am Mittwoch Reuters. Der Streik der Vorfeld-Beschäftigten werde mit Beginn der Nachtschicht deshalb abgebrochen. Starten und landen dürfen Flugzeuge in Frankfurt derzeit nachts nicht, der Flugverkehr geht erst um 5.00 Uhr morgens wieder los. Die Gespräche würden ab Donnerstag auf Vorstandsebene mit den Vertretern der GdF stattfinden, kündigte Fraport an. Voraussetzung für die Wiederaufnahme sei gewesen, dass es keine Vorbedingungen gebe.

Das war ein wichtiger Streitpunkt in dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt. Bislang hatte die GdF stets betont, nur auf Basis des bereits ergangenen Schlichterspruchs mit dem Flughafen-Betreiber verhandeln zu wollen. Fraport hatte den Kompromissvorschlag des als Schlichter eingesetzten früheren Ersten Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust abgelehnt, da er das Gehaltsgefüge innerhalb des Unternehmens sprengen würde. Pikant daran: Der Flughafenkonzern hatte Beust selbst benannt. Die Gewerkschaft fordert kräftige Lohnerhöhungen für die Vorfeld-Beschäftigten, da deren Arbeit mit der Eröffnung der vierten Landebahn am Flughafen wesentlich anspruchsvoller geworden sei. Fraport hat die Forderungen der GdF als überzogen abgelehnt - sie würden auf Gehaltserhöhungen um bis zu 70 Prozent hinauslaufen.

MINDERHEIT BRINGT FLUGHAFEN AUS DEM TAKT

Die Berufsgruppe, die den Jets die richtige Parkposition weist, hat mit ihrem Ausstand demonstriert, wie 200 Angestellte einen Flughafen mit 70.000 Mitarbeitern teilweise lahmlegen können. Fraport hatte sich allerdings auf den Streik vorbereitet und zusätzliches Personal für die Arbeit auf dem Flugvorfeld geschult. Der Notbetrieb klappte denn auch von Tag zu Tag besser. Am Mittwoch fielen noch 174 Flüge der geplanten 1260 aus. Am ersten Streiktag waren noch rund 30 Prozent der für die Zeit des Ausstands geplanten Flüge gestrichen worden. Ursprünglich hatte Fraport sogar befürchtet, nur noch jede zweite Maschine abfertigen zu können. Teuer ist der Arbeitsausstand für den börsennotierten Airport trotzdem. Die Umsatzeinbußen dürften sich auf insgesamt etwa sieben Millionen Euro belaufen, sagte ein Konzernsprecher. Gut 1000 Flüge waren ausgefallen, vor allem innerhalb Deutschlands und Europas.

LUFTHANSA AM STÄRKSTEN BETROFFEN

Hauptbetroffener der Arbeitsniederlegung an ihrer Heimatbasis ist die Lufthansa, die alleine am Mittwoch 100 Flüge annullierte. In den ersten vier Streiktagen habe es bei Deutschlands größter Airline knapp 700 Flugausfälle gegeben, von denen 55.000 Passagiere betroffen gewesen seien, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Dadurch seien dem Unternehmen Umsätze im hohen zweistelligen Millionen-Bereich verloren gegangen.

 
A passenger walks in front of the flight departure information board at the main terminal of Frankfurt's airport February 21, 2012. Strikes at Frankfurt airport, Germany's largest, will continue until the weekend, the GdF union, resulting in more flight cancellations and delays. Just under 200 apron control workers, such as those who guide aircraft to parking places, are striking over a pay dispute with Fraport, which runs the airport.    REUTERS/Alex Domanski (GERMANY)