Telekom spendiert US-Tochter Milliarden für Netzausbau

Donnerstag, 23. Februar 2012, 17:55 Uhr
 

Bonn (Reuters) - Zwei Monate nach dem Scheitern der Mobilfunkhochzeit von T-Mobile USA und AT&T geht die Deutsche Telekom in die Offensive.

Eine frische Milliarden-Geldspritze soll dafür sorgen, dass die kriselnde US-Tochter nicht noch weiter von den Konkurrenten abgehängt wird. Gleichzeitig fahnden die Bonner hinter den Kulissen in Amerika nach einem neuen Partner. Denn auf sich allein gestellt und ohne das begehrte iPhone im Angebot wird die Nummer vier auf dem hart umkämpften US-Markt auf die Dauer kaum über die Runden kommen.

"Wir brauchen langfristig strukturelle Lösungen in den USA, die unsere Größennachteile auffangen können, zum Beispiel durch Partnerschaften mit anderen Unternehmen", sagte Konzernchef Rene Obermann am Donnerstag in einem Interview mit Reuters TV. Die beste Lösung wäre der Verkauf des Geschäfts an AT&T für 39 Milliarden Dollar gewesen, der aber Ende Dezember am Widerstand der US-Kartellbehörden scheiterte. Nun suche die Telekom alternative Lösungen. Einen Zeitrahmen, wie lange das dauern könnte, wollte Obermann nicht nennen.

Ein wichtiger Schritt, um die US-Tochter auf Vordermann zu bringen, ist die lang erwartete Investitionsoffensive. Rund 1,4 Milliarden Dollar zusätzlich steckt die Telekom in den kommenden 24 Monaten in den Ausbau des Mobilfunknetzes, das damit teilweise auf den Datenturbo-Standard LTE aufgerüstet wird - nächstes Jahr soll das neue LTE-Netz dann in Betrieb gehen. Das Gesamtvolumen der Investitionen in Amerika steigt damit auf vier Milliarden Dollar in den kommenden Jahren.

RIVALEN SETZEN BEREITS AUF LTE

Der Ausbau ist überfällig, da die großen Konkurrenten wie Verizon Wireless und AT&T für ihre superschnellen LTE-Netze bereits kräftig die Werbetrommel rühren. Auf der Elektronikmesse CES Anfang des Jahres wurden jede Menge neue Handys angekündigt, die den Standard beherrschen. LTE ermöglicht Geschwindigkeiten, die bisher nur der heimische DSL-Anschluss erreichen konnte. HD-Videos laufen darauf beispielsweise ruckelfrei.

Die Zeit drängt daher für T-Mobile USA. Allein im vierten Quartal 2011 verlor die Telekom-Tochter 800.000 Vertragskunden, insgesamt kehrten vergangenes Jahr knapp 1,7 Millionen Abonnenten T-Mobile USA den Rücken. Das ist besonders schmerzhaft, da mit diesen Kunden normalerweise mehr Geld verdient wird. Einer der Hauptgründe für den Exodus sei gewesen, dass die drei größeren Wettbewerber - also neben Verizon und AT&T auch Sprint - seit Oktober das neue iPhone im Angebot hätten, erklärte die Telekom. Der Bestseller von Apple fehlt T-Mobile USA aber. Der Kundenrückgang zog eine Neubewertung des US-Geschäfts nach sich: 2,3 Milliarden Euro mussten die Bonner 2011 auf die Tochter abschreiben.

AT&T-ZAHLUNG BEWAHRT TELEKOM VOR ROTEN ZAHLEN

Neben dem US-Geschäft verhagelten der Telekom weitere Abschreibungen auf die Griechenland-Tochter OTE sowie hohe Ausgaben für die Pensionäre in Deutschland das Jahresergebnis - die Sonderbelastungen summierten sich 2011 auf 4,5 Milliarden Euro. Der Überschuss sank auf 557 Millionen Euro von 1,7 Milliarden im Vorjahr. Ohne eine drei Milliarden Dollar schwere Überweisung von AT&T, mit der die Amerikaner die Telekom für das Scheitern des Verkaufs von T-Mobile USA entschädigten, wäre die Telekom damit im Gesamtjahr sogar in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzernumsatz ging 2011 um sechs Prozent auf 58,7 Milliarden Euro zurück. Die Dividende für 2011 soll trotz des Gewinneinbruchs wie im Vorjahr 70 Cent je Aktie betragen.

Der Wettbewerbsdruck werde auch in diesem Jahr hoch bleiben, warnte Obermann. Für 2012 erwartet er für seinen 235.000 Mitarbeiter starken Konzern einen operativen Gewinn (Ebitda) von 18 Milliarden Euro. 2011 lag die Kennzahl bei 18,7 Milliarden Euro. Der wenig rosige Ausblick und der Gewinnbruch kamen an der Börse nicht gut an: Die T-Aktie verlor drei Prozent.

- von Peter Maushagen

 
Workers redecorate a former Era Mobile phone outlet with T-Mobile logo in Warsaw June, 1, 2011. REUTERS/Kacper Pempel (POLAND - Tags: POLITICS BUSINESS)