Insider: VW hält sich für Porsche-Übernahme Alternativen offen

Montag, 27. Februar 2012, 16:25 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Volkswagen hält sich Unternehmenskreisen zufolge weiter alle Möglichkeiten zur Integration des Porsche-Sportwagengeschäfts offen.

Der Aufsichtsrat habe in seiner Sitzung am Montag nach dreistündigen Beratungen keine Beschlüsse zu diesem Thema gefasst, sagte eine mit den Beratungen vertraute hochrangige Person aus dem Konzern der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. "Es gibt ein festes Bestreben vonseiten VW, die Synergien so schnell wie möglich zu heben, aber nicht um jeden Preis", fügte die Person hinzu. In dieser Situation sei alles denkbar - auch, dass VW abwarte, bis die Übernahme der zweiten Hälfte der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft ohne Steuerzahlungen möglich sei. Das soll früheren Angaben zufolge ab 2014 der Fall sein, da dann Steuerlasten aus der 2007 vollzogenen Gründung der Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE auslaufen. VW hatte sich bereits vor einiger Zeit knapp die Hälfte der Porsche AG einverleibt, in der das Sportwagengeschäft geführt wird.

"Die Steuerlast ist der entscheidende Punkt, hier gibt es noch einiges an Hausarbeit zu erledigen", betonte die Person. Die letzte Entscheidung werde der Ausschuss zur Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns fällen, an diesem Punkt sei man aber noch nicht angelangt. Eine Hürde ist Berichten zufolge noch eine Genehmigung der deutschen Steuerbehörden.

Aus Finanzkreisen hieß es indes, bei Volkswagen herrsche inzwischen die Überzeugung vor, den Deal über eine Zweckgesellschaft abzuwickeln. Das wäre ein juristischer Kunstgriff, um die Integration steuersparend schon früher zu erreichen. Disbezüglich seien die meisten Stolpersteine ausgeräumt, sagte ein mit den Vorgängen vertrauter Banker zu Reuters.

VW wollte sich nicht dazu äußern. Eine Sprecherin bekräftigte lediglich frühere Aussagen, wonach das Management seit der geplatzten Fusion mit der Porsche Automobil Holding SE - der Muttergesellschaft der Porsche AG - Alternativen prüfe, "um den integrierten Automobilkonzern zu wirtschaftlichen sinnvollen Bedingungen zu schaffen." Auch bei Porsche hieß es, die Möglichkeiten würden weiter geprüft.

VW hatte die ursprünglich geplante Verschmelzung mit der Porsche Holding SE im vergangenen Jahr wegen juristischer Risiken abgesagt. Seither sucht Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch nach Wegen, um die Porsche AG komplett zu übernehmen. Nur dann kann der Konzern die mit rund 700 Millionen Euro pro Jahr kalkulierten Kostenvorteile einstreichen, die sich durch gemeinsamen Einkauf und gemeinsame Entwicklung ergeben. Die Transaktion soll möglichst steuerschonend gestaltet werden, sonst kassiert der Fiskus bis zu einer Milliarde Euro.

Die Porsche Holding SE würde bei dieser Lösung bestehen bleiben. Gegen die Obergesellschaft, die auch knapp 51 Prozent an dem Wolfsburger Autobauer hält, richten sich milliardenschwere Schadensersatzklagen von Investoren aus dem In- und Ausland wegen angeblicher Marktmanipulation des früheren Porsche-Managements um Vorstandschef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme vor drei Jahren.

 
The sign VW-Porsche is pictured at the back of a VW-Porsche 914 car at a dealer in Bochum May 7, 2009. The car was a joint production of Volkswagen and Porsche between circa 1969 and 1976.  REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY TRANSPORT)