EnBW sichert sich höheren Anteil an Konkurrent MVV

Mittwoch, 29. Februar 2012, 11:07 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW hält sich die Möglichkeit zu einer deutlichen Aufstockung seiner Finanzbeteiligung am kleineren Konkurrenten MVV offen.

Im September 2012 laufe ein vor Jahren mit der britischen Bank Barclays geschlossenes Swap-Geschäft aus, sagte ein EnBW-Sprecher am Mittwoch in Karlsruhe. EnBW könne dann - im Rahmen einer Auktion - weitere 7,4 Prozent des MVV-Kapitals von Barclays gegen Barausgleich erwerben. "Wir können, müssen aber nicht kaufen", sagte der Sprecher des Karlsruher Versorgers, der jüngst seine staatlichen Anteilseigner um eine Kapitalspritze in Höhe von 800 Millionen Euro gebeten hat, um die Einbußen durch den Atomausstieg in Deutschland auszugleichen.

EnBW ist seit 2004 mit 15 Prozent an MVV beteiligt und hat sich diese Beteiligung vom Kartellamt absegnen lassen. Pläne zur Aufstockung dieses Anteils hatte der Energiekonzern stets von sich gewiesen, das Management von MVV hat die Beteiligung des größeren Wettbewerbers in der Vergangenheit kritisch beäugt. Im Aufsichtsrat von MVV ist EnBW nicht vertreten. Im August 2007 vereinbarte EnBW mit Barclays das Swap-Geschäft, das am Ende der Laufzeit im Herbst dieses Jahres abgerechnet wird. Bisher habe sich das Geschäft gerechnet, EnBW habe daran verdient, sagte der Sprecher. Auch andere Interessenten könnten bei der von Barclays geplanten Auktion für den MVV-Anteil bieten. Weitere finanzielle Details des Geschäfts wollte der Sprecher nicht nennen. EnBW hatte das Geschäft mit Barclays im Zuge der zu Monatsbeginn verschärften Vorschriften zum Wertpapierhandel offengelegt. Barclays hatte am Mittwoch ebenfalls bekanntgegeben, über Finanzinstrumente Zugriff auf 7,4 Prozent der MVV-Aktien zu besitzen.

EnBW ließ offen, wie der Konzern mit dem zum Kauf stehenden MVV-Anteil umgehen will. Möglicherweise trenne sich EnBW im Zuge des angekündigten Desinvestitionsprogramms von seinem bisherigen MVV-Anteil, sagte der Sprecher. Dies hatte der scheidende Vorstandschef Hans-Peter Villis bereits mehrfach in Aussicht gestellt. Möglich sei aber auch, dass der Minderheitsanteil durch den Zukauf von weiteren 7,4 Prozent an Attraktivität gewinne und sich später besser an andere Investoren weiterverkaufen lasse. Eine mögliche Aufstockung müsse aber auch unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten geprüft werden, sagte der Sprecher. Mehrheitseigentümer bei dem Stadtwerkeverbund MVV ist die Stadt Mannheim mit 50,1 Prozent, wo das Unternehmen seinen Sitz hat.