Stellenabbau bei Nokia Siemens fällt noch höher aus

Mittwoch, 29. Februar 2012, 16:31 Uhr
 

Barcelona (Reuters) - Der Stellenabbau beim Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) nimmt immer größere Ausmaße an.

Die Gemeinschaftstochter von Siemens und Nokia streicht weitere 3500 Arbeitsplätze, wie Vorstandschef Rajeev Suri am Mittwoch im Reuters-Interview sagte. Grund sei der Ausstieg aus einem langjährigen Service-Vertrag in Lateinamerika. Damit kippt NSN insgesamt 20.500 seiner weltweit noch 74.000 Stellen.

"Der Ausstieg aus dem Vertrag erfolgte einvernehmlich", sagte Suri. Kosten entstünden dadurch nicht. Der Schritt folge der neuen Strategie, sich von Randgeschäften zu trennen. Offen blieb, welcher Kunde betroffen ist. Der Auftrag stamme noch aus der Anfangszeit von NSN, sagte Suri lediglich. NSN zählt zu seinen wichtigsten Kunden in der Region die spanische Telefonica, den US-Konzern Sprint Nextel und die mexikanischen Betreiber Telmex und America Movil des Milliardärs Carlos Slim.

NSN hatte im November bereits die Streichung von 17.000 Stellen angekündigt. Die Hälfte davon stehe bereits konkret fest, sagte Suri. In 55 Ländern habe NSN bereits mit den Einschnitten begonnen. In Deutschland fällt nach den bisherigen Sanierungsplänen mit knapp 3000 Arbeitsplätzen ein Drittel aller NSN-Stellen weg. Der Münchner Zentralstandort soll dichtgemacht werden. Die Belegschaft wehrt sich gegen den Sparkurs, der Betriebsrat fordert den Rauswurf von Vorstandschef Suri.

Der begegnete nun Sorgen, die Flaute auf dem indischen Markt könnte NSN auch noch treffen. Dort hatte der oberste Gerichtshof jüngst entschieden, ein Lizenzverkauf von 2008 an acht Telekommunikationsfirmen müsse rückgängig gemacht werden. Die Betreiber schraubten ihre Ausgaben als Folge stark zurück. "Die Investitionen sind massiv rückläufig", räumte Suri ein. NSN sei aber nicht betroffen, da die meisten Geschäfte dort bereits vor 2008 eingegangen worden seien.