Peugeot verteidigt Jobabbau nach Halbjahresverlust

Mittwoch, 25. Juli 2012, 13:27 Uhr
 

Paris (Reuters) - Der krisengeschüttelte französische Autobauer PSA Peugeot Citroen will den angekündigten Konzernumbau trotz der Proteste aus der Politik ohne Abstriche umsetzen.

Der Wegfall von 8000 Stellen und einer Werkschließung sollen bis 2015 etwa 1,5 Milliarden Euro einsparen, wie die Nummer zwei in Europa nach Volkswagen. Der schleppende Absatz vor allem in Südeuropa ließ den Konzern im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen rutschen. Der Stellenabbau, den der Konzern bereits vor zwei Wochen ankündigte, hat Politik und Gewerkschaften auf den Plan gerufen. In Paris demonstrierten etwa 2000 Peugeot-Mitarbeiter dagegen. Die Regierung kündigte Hilfen für die französische Autobranche an und will den Verkauf von Elektrofahrzeugen fördern.

Peugeot-Chef Philippe Varin bekräftigte, die Einschnitte seien wegen der anhaltenden Branchenkrise unumgänglich. "Wir haben ein klares Verständnis davon, wie hart dieses Projekt für eine große Zahl von Mitarbeitern ist", betonte er. Allein in der Fabrik Aulnay-sous-Bois bei Paris fallen 3300 Stellen weg. Es ist die erste Werkschließung in Frankreich in der Branche seit 20 Jahren. Zudem will Peugeot weniger investieren: Das Budget wird um 550 Millionen Euro gekürzt. Die vor kurzem besiegelte Allianz mit dem US-Partner General Motors (GM) soll die Kosten um weitere 350 Millionen Euro reduzieren. An der Pariser Börse legten Peugeot-Aktien bis gegen Mittag rund vier Prozent zu.

Im abgelaufenen Halbjahr belief sich der operative Verlust im Autogeschäft auf 662 Millionen Euro, wie Peugeot ebenfalls bereits am 12. Juli bekanntgegeben hatte. Insgesamt ergab sich ein Nettoverlust von 819 Millionen Euro nach einem Gewinn von 806 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Peugeot hat nach eigenen Angaben im Halbjahr 954 Millionen Euro verbrannt. Der Umsatz sank um rund fünf Prozent auf 29,55 Milliarden Euro.

STEUER-BONUS FÜR KLEINWAGEN ERWARTET

Der Kahlschlag bei dem Traditionskonzern bringt den sozialistischen Präsidenten Hollande zwei Monate nach Amtsantritt in Verlegenheit. Einerseits kann er kaum zusehen, wie die heimische Industrie immer weiter abrutscht. Andererseits ist für zusätzliche Ausgaben mitten in der Schuldenkrise kein Geld in der Staatskasse. Hollande muss Frankreichs Haushalt sanieren, um das Defizit wieder auf die in der EU vereinbarten Grenzen zurückzuführen. Der Sozialist hatte scharfe Kritik an den Plänen des Unternehmens geübt. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault forderte noch am Montag von Peugeot "starke Anstrengungen", um die Folgen des Konzernumbaus für die Belegschaft möglichst gering zu halten.

Ein kostspieliges Hilfspaket wurde daher nicht erwartet. Der für die Initiative zur Ankurbelung der heimischen Autobranche zuständige Minister Arnaud Montebourg empfahl unter anderem steuerliche Anreize zum Kauf von Kleinwagen. Peugeot, Citroen und Renault sind bei den kleinen Modellen in Frankreich immer noch führend. Eine neue Abwrackprämie wie unter Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy galt angesichts der Haushaltslage von vornherein als unwahrscheinlich.