RWE-Pläne zum Verkauf der Süwag geplatzt

Mittwoch, 22. August 2012, 17:01 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der nach der Atomwende unter Druck stehende Energiekonzern RWE hat bei dem geplanten Verkauf milliardenschwerer Beteiligungen einen Rückschlag erlitten.

Die seit Monaten laufenden Gespräche mit einem Konsortium über die Veräußerung des Pakets an dem hessischen Versorger Süwag sind nach Angaben beider Seiten vorerst gescheitert. Eine Einigung sei wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht möglich gewesen, teilte das Bieterbündnis aus Kommunen und kommunalen Versorgern am Mittwoch mit. RWE will Pakets von 77,6 Prozent weiterhin abstoßen. "Wir sind offen für Gespräche mit weiteren Interessenten", sagte ein Sprecher. Analysten beziffern den Wert der Beteiligung auf 700 bis 800 Millionen Euro.

Seit Mitte vergangenen Jahres hatte sich ein Konsortium aus rheinland-pfälzischen, hessischen und baden-württembergischen Kommunen und kommunalen Versorgern um das Süwag-Paket bemüht. "Es hat sich gezeigt, dass eine Einigung zwischen Bieterkonsortium und der RWE AG derzeit nicht möglich ist. Grund sind unterschiedliche Kaufpreisvorstellungen", erklärt die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) nun. "Die Rekommunalisierung der Süwag durch das gut aufgestellte Konsortium wäre eine große Chance für die Energieversorgung in der Region gewesen." Weitere Verhandlungen seien nicht geplant.

RWE KOMMT BEI VERKÄUFEN NUR LANGSAM VORAN

RWE setzt nun darauf, dass sich andere Interessenten melden. Es ändere sich auch nichts an dem Ziel, bis Ende 2013 durch den Verkauf von Beteiligungen bis zu sieben Milliarden Euro einzunehmen, versicherte der Sprecher. Der neue RWE-Chef Peter Terium will damit die Nettoschulden von rund 34 Milliarden Euro abbauen und Mittel für Investitionen in Wachstumsgeschäfte wie die Erneuerbare Energie einsammeln. Ratingagenturen hatten bereits kritisiert, dass der Verkaufsprozess von RWE zu langsam vorankomme. Der Konkurrent E.ON sei bereits viel weiter. E.ON-Chef Johannes Teyssen will bis Ende kommenden Jahres 15 Milliarden Euro einsammeln, hat aber nach eigenen Angaben bereits rund 12,5 Milliarden in der Tasche.

RWE hat schon den Verkauf des Minderheitsanteils an den Berliner Wasserbetrieben vereinbart, den das Land Berlin für rund 618 Millionen Euro übernehmen will. Zudem will sich der Konzern von seiner tschechischen Gasnetz-Tochter Net4Gas trennen, was Analysten zufolge 1,4 bis 2,4 Milliarden Euro bringen könnte. Auch hier drohen jedoch Verzögerungen. RWE hatte vor wenigen Tagen erklärt, den Verkaufsprozess Anfang kommenden Jahres abschließen zu wollen. Vor wenigen Monaten hatte der Konzern noch einen Abschluss für 2012 in Aussicht gestellt. Zur Disposition stehen zudem Geschäfte der Öl- und Gasfördertochter Dea. Zu Berichten, wonach der Verkauf von Dea-Geschäften in Ägypten wegen der politischen Lage in der Region zunächst gestoppt sei, hatte sich RWE nicht äußern wollen.