RBS macht sich auf Strafe im Libor-Skandal gefasst

Freitag, 2. November 2012, 12:30 Uhr
 

London (Reuters) - Die in der Finanzkrise teilverstaatlichte Royal Bank of Scotland stellt sich in dem Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes auf hohe Strafzahlungen ein.

Das britische Institut ist derzeit in seinem Heimatland und in den USA im Visier der Behörden und erklärte am Freitag bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen, die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen zu wollen. Allerdings geben die staatlichen Aufseher hier das Tempo vor. "Wir müssen nach der Pfeife der relevanten Behörden tanzen", erklärte Institutschef Stephen Hester. "Wir streben eine Einigung mit allen und jedem an, sobald sie bereit sind."

Die RBS gilt als einer der nächsten Kandidaten für eine außergerichtliche Einigung, nachdem ihrem Rivalen Barclays im Juni eine Strafe von 450 Millionen Dollar aufgebrummt wurde. Hester erklärte, noch sei noch völlig unklar, ob auf die RBS eine noch höhere Strafe zukommen könnte. Die RBS hat eigenen Angaben zufolge bereits nach internen Ermittlungen eine Reihe von Angestellten entlassen.

Der Libor-Skandal und andere Fehler der Vergangenheit überschatten die Fortschritte Hesters bei dem Umbau des Instituts, der in 15 bis 18 Monaten abgeschlossen werden soll. Dank sinkender Belastungen durch faule Kredite steigerte die RBS ihren Quartalsgewinn auf 1,047 Milliarden Pfund von lediglich zwei Millionen Pfund im Vorjahresquartal. Die RBS legte weitere 400 Millionen Pfund beiseite, um Entschädigungen für den Verkauf völlig unnötiger Kreditausfallversicherungen leisten zu können. Um ähnliches Fehlverhalten in Zukunft zu vermeiden, will die RBS das Vergütungsmodell für seine Angestellten in den britischen Filialen ändern. Britische Banken hatten Kunden Versicherungen aufgeschwatzt, die diese gar nicht benötigten. Auch andere Institute müssen für diesen Betrug tief in die Tasche greifen - bei Lloyds summieren sich die Entschädigungen mittlerweile auf mehr als fünf Milliarden Pfund, bei der RBS sind die Rückstellungen damit auf insgesamt 1,7 Milliarden Pfund gestiegen.

Die britische Regierung pumpte während der Finanzkrise 45 Milliarden Pfund in die RBS, um sie am Leben zu erhalten. Bislang sind die Steuerzahler dabei auf einem Verlust von 20 Milliarden Pfund sitzengeblieben.

 
A logo of an Royal Bank of Scotland (RBS) is seen at a branch in London February 23, 2012. State-owned Royal Bank of Scotland paid out nearly a billion pounds in bonuses to staff for last year despite posting a fourth-quarter loss of nearly 2 billion pounds ($3.1 billion) after big losses in Greece and Ireland and costly restructuring. REUTERS/Stefan Wermuth (BRITAIN - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT)