Neuer Chef macht Beiersdorf schön - Aktie glänzt

Freitag, 2. November 2012, 14:22 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Der Nivea-Hersteller Beiersdorf kommt unter seinem neuen Chef Stefan Heidenreich mit der Neuausrichtung des Kosmetikgeschäfts voran.

Dank starker Zuwächse in Schwellenländern kann der Hamburger Dax-Konzern Umsatzrückgänge im krisengebeutelten Westeuropa inzwischen besser wettmachen. "Wir befinden uns auf einem guten Kurs", freute sich Heidenreich am Freitag bei der Präsentation der Zwischenbilanz der ersten neun Monate. Darin glänzt Beiersdorf beim bereinigten Betriebsgewinn mit einem Plus von nahezu 17 Prozent auf 575 Millionen Euro. Der Konzernumsatz kletterte organisch um knapp vier Prozent auf rund 4,6 Milliarden Euro.

Mit der größeren Zuversicht im Rücken hob der Vorstand die Prognose für den Umsatz an. Erwartet werde nun ein Wachstum von drei bis vier Prozent. Bisher war das Management von einem Zuwachs von drei Prozent ausgegangen. Als Rendite peilt der Kosmetikkonzern unverändert zwölf (Vorjahr 11,5).

An der Börse kam dies gut an. Die Aktie des Kosmetikkonzerns war mit einem Aufschlag von über sechs Prozent größter Gewinner im Dax.

Hohe Zuwächse im Geschäft erzielte der von der Tchibo-Mutter Maxingvest kontrollierte Konzern in Osteuropa und dort vor allem in Russland. Auch in Brasilien schwollen die Erlöse stark an. im Kosmetikgeschäft macht Beiersdorf inzwischen fast die Hälfte seines Umsatzes in Schwellenländern. Im nächsten Jahr soll die 50-Prozent-Marke erreicht werden, wie Finanzvorstand Ulrich Schmidt ankündigte. Die steigende Nachfrage nach Kosmetikartikeln in Südamerika soll ab dem Jahr 2014 durch eine neue Fabrik in Silao in Mexiko bedient werden. Den Neubau lässt sich der Konzern über 80 Millionen Euro kosten.

FORSCHUNG IN CHINA

Auf dem Riesenmarkt in China, wo Beiersdorf nach dem Fehlkauf der Haarpflegemarke C-Bons praktisch von vorne anfangen musste, fasst der Hamburger Konzern inzwischen besser Fuß. Die Umsätze seien stabil. Mit einem neuen Forschungszentrum in der Stadt Wuhan will Beiersdorf seine Produkte nun stärker an Bedürfnissen der Chinesen orientieren. Eine Verlagerung von Forschungsaktivitäten aus der Zentrale in Hamburg sei damit nicht verbunden.

Dagegen schrumpfte der Umsatz im kriselnden Westeuropa um 2,5 Prozent. Dabei schlugen neben der Konsumflaute in den Krisenländern Südeuropas auch Sortimentsbereinigungen durch. Beiersdorf hatte im Zuge des Umbaus in Europa ein Fünftel der Produkt aus den Regalen genommen, die nicht so gut liefen. Um schneller auf die Konkurrenz zu reagieren, führt der Konzern das Kerngeschäft seitdem stärker regional. In der Hamburger Zentrale wurde Personal abgebaut. Insgesamt sank die Zahl der Mitarbeiter im Vergleich zum Jahresanfang um gut 1000 auf 16.600.

Börsianer hatten Beiersdorf lange gescholten, den Trend in den Wachstumsländern verschlafen zu haben. Das war mit ein Grund für den Austausch der Konzernspitze. Der bisherige Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas wechselte in den Aufsichtsrat. Wenige Woche nach seinem Amtsantritt im Frühsommer gab Heidenreich das Ziel vor, den Anteil von Ländern wie Russland, Brasilien und China am Umsatz binnen zwei Jahren auf über die Hälfte zu heben. Bis dahin machte Beiersdorf 60 Prozent seines Geschäfts in Europa. Die Neuausrichtung soll das Unternehmen unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen machen.   Fortsetzung...

 
Stefan Heidenreich, new CEO of German company Beiersdorf, is pictured before the shareholder meeting in Hamburg, April 26, 2012. Heidenreich replaces Thomas-Bernd Quaas, not pictured. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS)