Telekom erwägt Dividenden-Diät - T-Aktie stürzt ab

Freitag, 2. November 2012, 16:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Den Aktionären der Deutschen Telekom drohen magere Zeiten.

Der Bonner Konzern prüfe eine Kürzung der Dividende um bis zu ein Drittel, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung auf Informationen von der Kapitalseite im Aufsichtsrat. Durch die Kürzung solle mehr Geld für Investitionen - etwa für den Ausbau schneller Glasfaser- und Mobilfunknetze sowie für neue Geschäftsfelder - zur Verfügung gestellt werden. Ein Telekom-Sprecher sagte lediglich, dass es noch keine Aussage zur Dividende 2013 gebe. Für 2012 könnten sich die Aktionäre weiterhin auf die getroffene Dividendenaussage verlassen. Für dieses Jahr soll an die Aktionäre 70 Cent je Titel gezahlt werden.

Die Aussagen beruhigten die Anleger nicht. Die T-Aktie fiel um 2,9 Prozent auf 8,63 Euro und war damit das Dax-Schlusslicht. Viele Anleger haben das Papier in erster Linie wegen der hohen Dividendenrendite im Depot. Größter Telekom-Eigner ist der Bund, der noch gut 30 Prozent an den Unternehmen hält.

Genauer Bescheid wissen werden die Aktionäre vielleicht noch in diesem Jahr. Anfang Dezember plant die Telekom einen Investorenveranstaltung in Bonn. "Da wird es Aussagen über das kommende Jahr geben", sagte der Konzernsprecher. Ob das Telekom-Management auch über die Höhe der Ausschüttung im Jahr 2013 sprechen werde, wollte er nicht verraten.

NETZAUSBAU KOSTET

Ganz überraschend käme eine Dividendenkürzung nicht, da auf die Telekom hohe Kosten zukommen. Im September kündigten der Telefonriese an, sein VDSL-Netz in den kommenden vier Jahren erheblich auszubauen - mehr Haushalte sollen versorgt werden, und die Internetanschlüsse selbst sollen schneller werden. Allerdings muss die Regulierungsbehörde noch ihr Okay geben. Die Analysten der Investmentbank Nomura veranschlagen die Ausbaukosten für die Telekom auf drei Milliarden Euro.

Damit nicht genug: Auch die geplante Fusion der Krisentochter T-Mobile USA mit den US-Regionalanbieter MetroPCS wird für die Bonner teuer. Da T-Mobile USA nicht mehr so hoch bewertet wird wie beim Einstieg der Telekom vor gut zehn Jahren, müssten voraussichtlich sieben bis acht Milliarden Euro auf das Unternehmen abgeschrieben werden, hatte die Telekom bereits Anfang Oktober gewarnt. Das verbucht die Telekom bereits im Quartalsergebnis, das kommenden Donnerstag vorstellt wird. Analysten rechnen für den Dreimonats-Zeitraum mit einem Verlust von 5,44 Milliarden Euro. Auch der Jahresabschluss dürfte damit tiefrot ausfallen. Da auch noch die Integration von MetroPCS langwierig und teuer zu werden drohe, erwarten die Nomura-Experten für 2013 nur noch 60 Cent Dividende.

Der Bonner Konzern wäre nicht der erste in der europäischen Branchenlandschaft, der wegen des harten Wettbewerbs, des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds oder einer drückenden Schuldenlast den Gürtel enger schnallen muss und dies nun auch seine Aktionäre spüren lässt. So strich der spanische O2-Mutterkonzern Telefonica bereits vor Monaten die Dividende für dieses Jahr und halbierte sie für das kommende. Telekom Austria kürzte die Ausschüttung für dieses Jahr auf fünf Cent von 38 Cent je Aktie. Auch der französische Konkurrent France Telecom senkte die Dividenden für dieses und kommendes Jahr deutlich. Die niederländische E-Plus-Mutter KPN stutzte nur kurze Zeit nach dem Einstieg des mexikanischen Telekom-Milliardärs Carlos Slim die Ausschüttung drastisch.

- von Peter Maushagen

 
The logo of Deutsche Telekom AG is seen outside the company's headquarter in Bonn May 24, 2012. Deutsche Telekom believes a complete sale of its T-Mobile USA unit is unlikely, the company told shareholders on Thursday, as it continues its search for a long-term solution for the troubled business. Picture taken with a tilt-shift lens. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS LOGO)