Starbucks stößt Steuerzahlern bitter auf

Samstag, 3. November 2012, 12:15 Uhr
 

London/Berlin (Reuters) - Wer am Brandenburger Tor einen "Mocha Frappuccino" oder eine "Apple Crumble Latte" genießen will, braucht Geduld.

Die Filiale des US-Kaffeerösters Starbucks in Sichtweite des Berliner Wahrzeichens ist eigentlich immer brechend voll. Seit der Eröffnung des ersten Coffee House in Deutschland mit der prominenten Adresse Pariser Platz 4 vor zehn Jahren wurden 150 weitere Verkaufsstellen eröffnet. Das Geschäft von Starbucks in Deutschland brummt - aber wie kommt es, dass die Kette seit 2002 hierzulande noch nie Ertragssteuern gezahlt hat? Auch nicht in Frankreich, wo Starbucks seit 2004 mit inzwischen 60 Läden präsent ist. Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie sich internationale Konzerne - ganz legal - steuerlich arm rechnen.

Der in Seattle beheimatete Kaffee-Konzern legt Wert auf ein soziales Image. "Starbucks hat eine Vielzahl von Programmen auf die Beine gestellt, die darauf abzielen, den Gemeinschaften, in denen und für die wir arbeiten, etwas zurückzugeben", heißt es auf der deutschen Website - Steuern gehören offensichtlich nicht dazu. 2011 hat Starbucks in Deutschland einen Umsatz von 117 Millionen Euro ausgewiesen. Dennoch hat die Kette einen Verlust von 5,3 Millionen Euro gemacht - und deshalb auch keine Steuern entrichtet, genauso wie in den vorangegangenen Jahren seit 2002.

Weder in Deutschland noch in Großbritannien, wo die Steuerpraxis von Starbucks sogar das Parlament beschäftigt, wird der Vorwurf erhoben, die zweitgrößte Kaffee- und Restaurantkette der Welt nach McDonalds handele illegal. Dennoch bleibt bei manchen ein bitterer Nachgeschmack zurück. So sagt der Grünen-Europaparlamentarier Sven Giegold, er werde das Thema bei den Steuerbehörden in Bayern ansprechen, wo die deutsche Zentrale sitzt. Die Linke will das Bundesfinanzministerium um Aufklärung bitten. Die Ministerien in Berlin und Paris wollten sich mit Blick auf das Steuergeheimnis zu dem Fall bisher nicht äußern.

AKTIENKURS LEGT NACH NEUEN ZAHLEN FREUDENSPRUNG HIN

Wer denkt, Starbucks gehe es finanziell so schlecht, dass es keine Steuern bezahlen könne, irrt. Am Donnerstag veröffentlichte der Konzern Zahlen, nach denen der Gesamtumsatz im vergangenen Quartal um elf Prozent auf 3,36 Milliarden Dollar gestiegen ist, das Nettoergebnis lag bei 359 Millionen Dollar. Die Geschäfte laufen so gut, dass Starbucks seine Gewinnerwartungen nach oben schraubte: Die Aktie sprang um sieben Prozent auf 49,90 Dollar.

Für die Steuerzahler in Deutschland, Frankreich und in Großbritannien bleibt allerdings nichts oder nur wenig übrig. Obwohl es sich um "drei unserer größten und wichtigsten Märkte 2011" handele, wie Starbucks gegenüber Reuters erklärte. In Großbritannien, wo mit 735 Verkaufsstellen ein "White Chocolate Mocha" und ein Stück "Fairtrade Chocolate Brownie" mittlerweile genauso zum alltäglichen Stadtbild zählen wie "Fish&Chips", muss sich der US-Konzern deshalb heftiger Angriffe erwehren. Seit Reuters berichtet hatte, dass Starbucks dort seit 1998 zwar 3,1 Milliarden Pfund Umsatz gemacht, aber nur 8,6 Millionen Pfund Steuern gezahlt hat, steht der Kaffeeröster im Feuer der Kritik.

Premierminister David Cameron gab unlängst im Unterhaus zu Protokoll: "Ich bin nicht glücklich mit der gegenwärtigen Situation. Ich denke, die (britische Steuerbehörde) HMRC sollte sich das sehr genau ansehen." Der Regierungschef forderte: "Wir müssen sicherstellen, dass diese Firmen in unserem Land investieren - aber sie sollten auch angemessen Steuern zahlen."

"WIR WOLLEN EIN GUTER STEUERZAHLER SEIN"   Fortsetzung...

 
A customer sips her coffee in Starbucks' Mayfair Vigo Street branch in central London September 12, 2012. Picture taken September 12, 2012. To match Special Report BRITAIN-STARBUCKS/TAX REUTERS/Andrew Winning (BRITAIN - Tags: BUSINESS)