Chinesen drängen in Wüstenstrom-Projekt Desertec

Montag, 5. November 2012, 12:04 Uhr
 

München (Reuters) - China drängt in das europäisch-afrikanische Wüstenstromprojekt Desertec.

Der Netzbetreiber State Grid Corporation of China (SGCC) habe Interesse an einem Einstieg bekundet, bestätigte ein Sprecher der Projektgesellschaft DII in München am Montag einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Die Gespräche liefen, über eine Aufnahme entschieden die bisherigen Gesellschafter in den nächsten Wochen. Der Desertec-Initiator Münchener Rück lehnten eine Stellungnahme ab.

Der weltgrößte Netzbetreiber SGCC könnte Siemens als Miteigentümer ablösen, wenn die Münchner zum Jahresende Desertec den Rücken kehren. Neben den Chinesen interessiert sich der US-Solarmodulhersteller First Solar dafür, aus dem Kreis der assoziierten Partner in die Kerngruppe der Träger aufzurücken. Am kommenden Mittwoch trifft sich die Desertec-Gemeinde in Berlin zu ihrer dritten Jahreskonferenz, um die Zukunft der geplanten Stromerzeugung mit riesigen Solaranlagen in Nordafrika zu besprechen.

Die vorwiegend von mitteleuropäischen Firmen wie ABB, RWE, Schott Solar und der Deutschen Bank vorangetriebenen Energiepläne sehen vor, dass Europa bis 2015 rund 15 Prozent seines Stroms aus den sonnenreichen Gebieten Nordafrikas und dem Nahen Osten bezieht. Die Investitionen dafür sollen 400 Milliarden Euro betragen. Die Pläne gerieten allerdings durch die politischen Unruhen in Nordafrika ins Stocken. Zudem gab es unter den Gesellschaftern Kritik am Vorgehen der Planungsgesellschaft DII.

Zuletzt schaltete sich die Politik verstärkt in das Vorhaben ein. Medienberichten zufolge wollen die Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Spaniens und Marokkos auf die Tube drücken, um schneller die nötigen Solarkraftwerke zu bauen. Ursprünglich setzten die Projektpartner vor allem auf solarthermische Stromerzeugung aus Sonnenhitze. Der Markt für die Großanlagen ist allerdings zuletzt deutlich zusammengeschmolzen. Siemens kündigte daraufhin an, seine verlustträchtige Solarsparte aufzugeben. Die immer billigeren Photovoltaik-Module haben der Konkurrenztechnologie schwer zugesetzt.

 
Members of the The Desertec Industrial Initiative (DII) Frank-Detlef Drake of RWE (L-R) , Udo Ungeheuer Chairman of the management board of Schott, Wolfgang Knothe of MAN, Rene Umlauft of Siemens, Caio Koch-Weser Vice Chairman of Deutsche Bank, Torsten Jeworrek of Munich Re, Juergen Lange of HSH Nordbank, Gerhard Knies, CEO of Desertec Foundation, Juergen Wild CEO of M+W Zander and Herve Touati of e.on pose with the Memorandum of Understanding before a news conference in Munich July 13, 2009. REUTERS/Michaela Rehle