Deutsches Stahlgeschäft radiert Gewinn von Salzgitter aus

Montag, 5. November 2012, 19:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das schwache Geschäft mit Stahl in Deutschland durchkreuzt die Gewinnerwartungen von Salzgitter.

Für das Gesamtjahr sei nur noch "ein in etwa ausgeglichenes Vorsteuerergebnis" zu erwarten, teilte das niedersächsische Unternehmen am Montag mit. Noch im August hatte der Vorstand einen mittleren zweistelligen Millionengewinn in Aussicht gestellt - nach 202 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Nach neun Monaten steckt der zweitgrößte deutsche Stahlkocher nach ThyssenKrupp mit 43 Millionen Euro vor Steuern in den roten Zahlen, allein im dritten Quartal fiel ein Verlust von 25 Millionen Euro an. Der Konzernumsatz stieg dagegen von Januar bis September um neun Prozent auf acht Milliarden Euro.

Salzgitter sei es nicht gelungen, die Stahlpreise zu erhöhen. Gleichwohl seien die Kosten für Energie und Rohstoffe weiter gestiegen und daher Preiserhöhungen "dringend erforderlich" gewesen. Die erhoffte Erholung des Stahlmarktes im zweiten Halbjahr sei ausgeblieben. Die übrigen Geschäftsbereiche hätten wie erwartet abgeschnitten. An der Börse schloss die im Nebenwerteindex MDax notierte Salzgitter-Aktie 3,6 Prozent im Minus.

Auch der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hatte vor wenigen Tagen wegen der schwächeren Nachfrage in China und Europa für das abgelaufenen Quartal einen Verlust von 709 Millionen Dollar bekannt gegeben und damit die Anleger schockiert. Der Stahlriese reagiert mit der Abschaltung von Hochöfen in Belgien und Frankreich auf den Einbruch. Die gesamte Stahlbranche ächzt unter der unsicheren Entwicklung der Konjunktur und der Euro-Schuldenkrise. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, bekräftigte am Montag seine Prognose, wonach die Rohstahlproduktion in Deutschland 2012 um vier Prozent auf 42,5 Millionen Tonnen schrumpfen wird. Der Weltstahlverband hatte jüngst seine Wachstumserwartung deutlich gesenkt und rechnet für 2012 nur noch mit einem Anstieg der globalen Nachfrage um 2,1 Prozent. 2011 war der Markt noch um 6,2 Prozent gewachsen.

Die Flaute hat auch beim Rivalen ThyssenKrupp, der am 11. Dezember seine Quartalszahlen vorlegt, Spuren hinterlassen. So schickte der größte deutsche Stahlkonzern von August an mehr als 2000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Für das kommende Jahr zeigte sich der deutsche Stahlverband zuversichtlicher. "Wir erwarten, dass sich die Stahlkonjunktur 2013 moderat aufhellen wird", sagte Kerkhoff. Die Rohstahlproduktion werde hier zu Lande wohl steigen. Die Branche profitiere davon, dass Kunden ihre leergeräumten Lager wieder auffüllen müssten. Wegen der ungewissen Konjunkturaussichten werde dies aber nicht im großen Stil geschehen.