Autokrise in Europa belastet Zeitarbeitsfirma Adecco

Dienstag, 6. November 2012, 12:00 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Der Beschäftigungsrückgang in der Automobilbranche und anderen Industriezweigen macht der weltgrößten Zeitarbeitsfirma Adecco immer stärker zu schaffen.

Wegen der rückläufigen Nachfrage nach Fachkräften sank der um Zukäufe und Wechselkurse bereinigte Umsatz im dritten Quartal um fünf Prozent auf insgesamt 5,28 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Damit setzte sich der Schrumpfkurs vom dem Vorquartal fort. Adecco versorgt unter anderem den strauchelnden französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen sowie die kriselnde europäische Tochter des US-Autobauers Ford mit Ingenieuren und Fließbandarbeitern. Ford hatte zuletzt die Schließung seines Werks im belgischen Genk bekanntgegeben.

Der Reingewinn von Addecco ging im Sommer um 18 Prozent auf 118 Millionen Euro zurück - das war allerdings weniger stark als erwartet. Die Anleger an der Schweizer Börse reagierten erleichtert. Die Adecco-Aktie legte knapp drei Prozent zu. Analysten zufolge profitierten die Titel auch davon, dass der Konzern trotz sinkender Umsätze die Profitabilität weiter verbesserte. Mittelfristig will das Unternehmen die operative Rendite (Ebita-Marge) auf über 5,5 Prozent von gegenwärtig 4,4 Prozent steigern.

KEINE ERHOLUNG IN EUROPA

Dennoch dürfte sich der negative Umsatztrend zunächst weiter fortsetzen. Der Umsatzrückgang habe sich zu Beginn des vierten Quartals aufgrund rückläufiger Nachfrage aus Großbritannien, Deutschland und den Schwellenländern noch weiter beschleunigt. "Wenn man sich die Gesamtwirtschaft anschaut, dann kann man nicht von einer Verbesserung der europäischen Wirtschaft im nächsten halben Jahr ausgehen", sagte Konzernchef Patrick De Maeseneire im Gespräch mit Reuters.

Sorgen bereitet Adecco dabei vor allem die von hoher Jugendarbeitslosigkeit und schwacher Industrie gekennzeichnete Lage Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich. Allein Frankreich ist derzeit für über ein Viertel deS Adecco-Umsatzes verantwortlich. Auch die Konkurrenten Manpower aus den USA und die niederländische Randstad hatten zuletzt über sinkende Umsätze insbesondere in Frankreich und Nordamerika geklagt. Der schwächelnden Nachfrage will Adecco deshalb weiterhin mit strikter Preis- und Kostendisziplin begegnen.

In Japan setzte sich die Talfahrt trotz zuletzt guter Vorzeichen aus der Automobilindustrie im Berichtszeitraum mit einem organischen Umsatzminus von 15 Prozent ebenfalls fort. Licht am Ende des Tunnels zeichnet sich für Adecco dagegen auf dem mit rund 18 Prozent Umsatzanteil zweitwichtigsten nordamerikanischen Markt ab. Hier konnte Adecco im abgelaufenen Quartal ein leichtes organisches Umsatzplus von drei Prozent verzeichnen.

 
An Adecco logo is pictured at the company's headquarters in Glattbrugg near Zurich December 15, 2008. REUTERS/Christian Hartmann (SWITZERLAND)