Chemiekonzern Lanxess wird wegen Autokrise vorsichtiger

Dienstag, 6. November 2012, 09:10 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Chemiekonzern Lanxess hat im dritten Quartal die Krise in der Automobilindustrie in Europa deutlich zu spüren bekommen.

Da auch in den Schlussmonaten des Jahres nicht mit einer Erholung gerechnet wird, äußert sich das Unternehmen bei der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag etwas vorsichtiger als noch zuletzt: Lanxess erwarte jetzt für 2012 einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) am unteren Ende der bisher angepeilten Spanne von plus fünf bis zehn Prozent, teilte der Leverkusener Konzern mit. 2011 stand ein bereinigter operativer Gewinn von 1,15 Milliarden Euro in den Büchern.

Lanxess-Chef Axel Heitmann geht davon aus, dass die Autobranche in Europa im vierten Quartal weiter schwächelt. Die Nachfrage aus der Reifenbranche werde unverändert mager bleiben. Die Absatzmisere in Südeuropa zwingt unter anderem den hannoverschen Autozulieferer Continental zu Produktionskürzungen. Der größte US-Reifenhersteller Goodyear hatte erst unlängst für das abgelaufenen Quartal einen kräftigen Umsatzrückgang ausgewiesen und dies vor allem mit einem schwachen Europa-Geschäft begründet. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Autoreifen und in Dichtungen verwendet wird. Von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Schlussquartal des Jahres geht der seit kurzem im Dax gelistete Konzern allerdings nicht aus. Die Aktie verlor zu Handelsbeginn drei Prozent auf rund 63 Euro.

Im dritten Quartal sank der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 18 Prozent auf 255 Millionen Euro. Die operative Rendite (bereinigte Ebitda-Marge) ging auf 11,8 Prozent von 13,3 Prozent zurück. Lanxess setzte von Juli bis September 2,2 Milliarden Euro um - ein Minus von acht Prozent. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika sanken die Erlöse um neun Prozent, vor allem in Spanien und in Italien entwickelten sich die Geschäfte verhalten. Wie auch bei anderen Chemiekonzernen lief zwar das Geschäft mit Chemikalien für die Landwirtschaft rund, die von hohen Preisen für Agrarprodukte profitiert. Das habe die schwache Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie aber nicht wettmachen können, erklärte der Konzern. Der Konzernüberschuss brach um 39 Prozent auf 94 Millionen Euro ein.

Die Quartalszahlen von Lanxess zeigen erneut, wie stark die sich abkühlende Wirtschaft in Europa auf die Chemieindustrie abfärbt. Zuletzt hatten bereits deutliche Gewinneinbrüche bei den US-Wettbewerbern DuPont und Dow Chemical sowie ein Milliardenverlust beim niederländischen Farbenhersteller Akzo Nobel in der Branche für Aufsehen gesorgt. Die zwei US-Rivalen hatten zudem harte Einschnitten und einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Auch beim Branchenprimus BASF waren die Ergebnisse im Geschäft mit Industriekunden zum Teil kräftig geschrumpft. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) setzt nun alle Hoffnungen auf das Jahr 2013.