BaFin-Chefin: Mittelgroße Banken riskanter als Deutsche Bank

Dienstag, 6. November 2012, 13:19 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Mittelgroße Banken und deren plötzliche Strategiewechsel machen der deutschen Finanzaufsicht BaFin mehr Kopfzerbrechen als Finanzriesen wie die Deutsche Bank.

"Krisen tauchen nicht unbedingt dort auf, wo sehr große Institute unterwegs sind. Diese haben oft sehr solide Mechanismen", sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. "Skeptisch und kritisch bin ich bei Banken, die ganz plötzlich ihr Geschäftsmodell über den Haufen werfen oder denen ein Geschäftsmodell fehlt." Namen nannte sie nicht.

Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB hatte vor der Finanzkrise den Gewinn mit zweitklassigen US-Hypothekenpapieren gesteigert - und wäre daran ohne Staatshilfe zugrundegegangen. Die HSH Nordbank versucht sich nun als Regionalbank und Finanzierer für die Schiffsbranche zu profilieren. König wollte sich nicht zu den Aussichten der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein äußern, sagte aber, diese leide als einer der größten Schiffsfinanzierer unter dem schwierigen Umfeld.

Dagegen brach König eine Lanze für Branchenprimus Deutsche Bank: "Die Deutsche Bank als große Gefahr für das Finanzsystem zu bezeichnen, ist - mit Verlaub - unsinnig. Größe muss nicht unbedingt großes Risiko heißen." Eine Exportnation wie Deutschland brauche auch Banken, die die Unternehmen in die ganze Welt begleiteten. Die Einstufung der Deutschen Bank als global besonders systemrelevant liege auch an ihrer Rolle im Zahlungsverkehr, durch die sie stark im Finanzsystem verwoben sei.

Die Bafin-Chefin äußerte aber Sympathie für den Vorstoß der Kommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen. Sie hatte vorgeschlagen, dass Banken den riskanten Eigenhandel und das Geschäft mit Hedgefonds und anderen Finanzinvestoren vom Einlagengeschäft und dem übrigen Investmentbanking abtrennen. "Ich glaube, dass es diese Vorschläge verdienen, dass man sich ernsthaft damit auseinandersetzt", sagte die BaFin-Chefin. Mit dem Modell ließen sich die Vorteile des bewährten Universalbankensystems in Europa erhalten und systemrelevante Banken im Notfall dennoch leichter abwickeln.

EZB-AUFSICHT: DER ERSTE SCHUSS MUSS SITZEN

Die BaFin-Chefin sprach sich für einen Kompromiss bei der geplanten gemeinsamen Bankenaufsicht in Europa aus. Das Modell des Europäischen Parlaments, von der Europäischen Zentralbank nur die national wichtigsten Banken und von der EU gestützte Institute beaufsichtigen zu lassen, sei "eine gute Grundlage für weitere Verhandlungen". Für eine einheitliche Aufsicht könne die EZB auch so sorgen. "Es ist schwierig, jede Sparkasse vom Süden Spaniens bis nach Finnland zentral zu beaufsichtigen", sagte König.

Indirekt sprach sie sich für einen späteren Starttermin für die "Bankenunion" aus, bei der die EU gegen den Widerstand Deutschlands zur Eile drängt: "Die Aufsicht muss vom ersten Tag an funktionieren. Einen zweiten Versuch hat man nicht." Die EU-Bankenaufsicht EBA hatte einen Fehlstart hingelegt und an den Finanzmärkten nie die nötige Glaubwürdigkeit gewonnen. An der Zusammenarbeit zwischen BaFin und Bundesbank in der deutschen Bankenaufsicht will König auch in der Bankenunion nicht rütteln.

Eine Ausdehnung der Bankenunion auf einen gemeinsamen Topf zur Absicherung der Kundeneinlagen sieht König skeptisch: "Eine europäische Einlagensicherung wäre unter Umständen ein systemisches Risiko", weil alle Nationen für die Risiken haften müssten, warnte sie. Ein solches System werde wohl auch nicht so bald eingeführt.