Mobilfunkanbieter O2 gewinnt Kunden und steigert Gewinn

Dienstag, 6. November 2012, 14:35 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Börsenneuling Telefonica Deutschland behauptet sich auf dem hart umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt.

Dank neuer Kunden, der guten Nachfrage nach Smartphones und der höheren Umsätze mit mobil gesendeten Daten steigerte Deutschlands kleinster Mobilfunkanbieter mit seiner Marke O2 den operativen Gewinn (OIBDA) im dritten Quartal um 12,5 Prozent auf 339 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Während der etwas größere Konkurrent E-Plus über Preiskämpfe und sinkende Gewinne klagt, erhöhte die Tochter des spanischen Telefonica-Konzerns ihre operative Marge im dritten Quartal auf 27,2 (Vorjahr: 24,8) Prozent. "Die Zahlen zeigen, dass wir auf die richtige Strategie setzen, um profitabel zu wachsen", sagte Finanzchefin Rachel Empey in einer Telefonkonferenz.

O2 ist Deutschlands viertgrößter Mobilfunkanbieter, hinter Marktführer Telekom, Vodafone und der KPN-Tochter E-Plus. In der vergangenen Woche hatte O2 sein Börsendebüt gefeiert und damit 1,45 Milliarden Euro eingenommen. Das Geld fließt allerdings komplett an den spanischen Mutterkonzern, der mit dem Geld seine Schulden senkt. O2 muss deshalb die geplante Aufrüstung auf den neuen Mobilfunkstandard LTE aus eigener Kraft finanzieren.

SMARTPHONE-KUNDEN BRINGEN GELD

Mit neuen Angeboten vor allem für Smartphone-Nutzer lockte O2 vermehrt Kunden an: Die Zahl der Mobilfunknutzer kletterte im dritten Quartal um 5,3 Prozent auf 19,1 Millionen, inklusive Festnetzkunden hat O2 nun 24,2 Millionen Nutzer. Fast ein Viertel der O2-Mobilfunkkunden telefoniert mittlerweile mit einem Smartphone, das die Übertragung von Daten erheblich einfacher macht. "95 Prozent aller von uns verkauften Handys sind Smartphones", erläuterte Telefonica-Deutschland-Chef Rene Schuster. "Damit sind wir bei Smartphones in Deutschland der Anbieter der Wahl". Das lukrative Geschäft mit mobilen Daten war auch der Haupttreiber für das Wachstum des Konzernumsatzes um 4,1 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro im dritten Quartal. Der Mobilfunk-Umsatz stieg um 5,6 Prozent auf 812 Millionen Euro, rund 58 Prozent davon entfallen auf Datenumsätze (ohne SMS).

Im zweiten Quartal hatte der Mobilfunkumsatz aber noch um 8,6 Prozent zugelegt. Diese Verlangsamung des Wachstums missfiel offenbar den Anlegern. Die Aktien verloren 1,5 Prozent auf 5,85 Euro, lagen damit aber immer noch über dem Ausgabepreis von 5,60 Euro. Finanzchefin Empey erklärte die Verlangsamung mit dem ungewöhnlich starken dritten Quartal des Vorjahres. "Wir sind sehr zufrieden mit der Umsatzentwicklung in diesem umkämpften Markt", sagte sie. Das Wachstum liege immer noch über dem von E-Plus, sagte auch Analyst Robin Bienenstock von Bernstein Research. "Telefonica Deutschland scheint die Finger zu lassen von den Kunden im Billigsegment, von denen E-Plus geplagt wird, insofern funktioniert die Strategie", erläuterte er. Am Donnerstag veröffentlicht Marktführer Deutsche Telekom seine Zahlen für das dritte Quartal.

Einen Ausblick für die Geschäftsentwicklung im vierten Quartal oder im kommenden Jahr gab Telefonica Deutschland nicht. Das Unternehmen werde weiter in den Ausbau des existierenden Netzes und den neuen, schnelleren LTE-Standard investieren, sagte Schuster. Der werde bald auch in Leipzig, Frankfurt und Köln angeboten. Außerdem sei auch das Bezahlen per Handy ein attraktives Geschäft, in dem Telefonica Deutschland eine Zukunft sehe.