Autokrise stimmt Chemiekonzern Lanxess vorsichtiger

Dienstag, 6. November 2012, 17:28 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Absatzmisere in der Automobilindustrie in Europa hinterlässt beim Chemiekonzern Lanxess tiefe Spuren.

Nach einem Gewinn- und Umsatzrückgang im dritten Quartal rechnet Konzernchef Axel Heitmann nicht mit einer raschen Erholung der Märkte. "Wir erwarten keine Verbesserung im vierten Quartal und wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich dies im ersten Quartal fortsetzen wird", sagte Heitmann am Dienstag. Für 2012 erwartet er daher nun einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) am unteren Ende der bisher angepeilten Spanne von plus fünf bis zehn Prozent. 2011 standen 1,15 Milliarden Euro in den Büchern.

Nach Einschätzung von Heitmann wird die Autobranche in Europa weiter schwächeln - die Nachfrage aus der Reifenindustrie werde unverändert mager bleiben. In China und in Nordamerika würden sich die hohen Wachstumsraten abflauen. Die Nervosität in den Kundenindustrien halte an, sagte der Manager. Von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Schlussquartal geht der Firmenchef allerdings nicht aus. An der Börse rutschte die seit kurzem in den deutschen Leitindex Dax aufgerückte Lanxess-Aktie zunächst mehr als drei Prozent ins Minus - glich aber die Verluste danach größtenteils wieder aus.

Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Autoreifen und in Dichtungen verwendet wird. Die Absatzflaute der Autobranche in Südeuropa hatte bereits den hannoverschen Zulieferer Continental zu Produktionskürzungen gezwungen. Der größte US-Reifenhersteller Goodyear hatte unlängst für das abgelaufenen Quartal einen kräftigen Umsatzrückgang ausgewiesen und dies vor allem mit einem schleppenden Europa-Geschäft begründet.

KONZERNGEWINN SACKT DEUTLICH EIN

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach im dritten Quartal um 18 Prozent auf 255 Millionen Euro ein. Der Nettogewinn sackte gar um 39 Prozent auf 94 Millionen Euro ab. Die operative Rendite ging auf 11,8 (Q3 2011: 13,3) Prozent zurück. Nicht nur geringere Absatzmengen machten dem Leverkusener Unternehmen zu schaffen, auch niedrigere Verkaufspreise nagten am Geschäft. Lanxess setzte von Juli bis September 2,2 Milliarden Euro um - ein Minus von acht Prozent. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika sanken die Erlöse um neun Prozent, vor allem in Spanien und in Italien entwickelte sich die Nachfrage verhalten. Wie auch bei anderen Chemiekonzernen lief zwar das Geschäft mit Chemikalien für die Landwirtschaft rund, die von den hohen Preisen für Agrarprodukten profitiert. Die schrumpfende Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie konnte Lanxess aber nicht wettmachen.

In Reaktion auf das schwierigere Marktumfeld will Heitmann an der Kostenschraube drehen und die Anlagen entsprechend auf eine geringere Nachfrage einstellen. "An Kurzarbeit denken wir nicht", sagte der Manager. Langfristig sieht Heitmann den Wachstumskurs des Konzerns dank seiner Stellung in den Schwellenländern ungefährdet. 2018 soll ein bereinigter operativer Gewinn von 1,8 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Allein in der Region Asien-Pazifik war Lanxess seit 2005 um knapp 70 Prozent gewachsen.

Die Quartalszahlen von Lanxess zeigen erneut, wie stark die sich abkühlende Wirtschaft in Europa auf die Chemieindustrie abfärbt. Zuletzt hatten bereits deutliche Gewinneinbrüche bei den US-Wettbewerbern DuPont und Dow Chemical sowie ein Milliardenverlust beim niederländischen Farbenhersteller Akzo Nobel in der Branche für Aufsehen gesorgt. Die zwei US-Rivalen hatten zudem harte Einschnitten und einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Auch beim Branchenprimus BASF waren die Ergebnisse im Geschäft mit Industriekunden zum Teil kräftig geschrumpft. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) setzt nun alle Hoffnungen auf das Jahr 2013.

 
Axel Heitmann, chairman of Lanxess AG, gestures during an interview with Reuters at the Forbes Global CEO Conference in Singapore September 9, 2008. REUTERS/Vivek Prakash