Air Berlin verklagt Flughafen Berlin auf Schadenersatz

Dienstag, 6. November 2012, 17:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die krisengeschüttelte Fluglinie Air Berlin fordert wegen des Debakels um den Großflughafen Berlin Brandenburg (BER) Schadenersatz in Millionenhöhe.

Air Berlin habe beim Landgericht Potsdam Klage gegen die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH eingereicht, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit. Durch die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins des Airports seien bisher Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Die endgültige Summe könne noch nicht beziffert werden. Versuche einer außergerichtlichen Einigung seien gescheitert, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn: "Vor diesem Hintergrund sieht Air Berlin nunmehr in der Einreichung der Klage den einzig gangbaren Weg zur Wahrung ihrer Interessen."

Der Flughafenbetreiber wies das Ansinnen zurück: "Nach unserem Ermessen hat Air Berlin dem Grunde nach keinen Anspruch auf Schadenersatz, da wir mit der Airline vertraglich keinen fixen Eröffnungstermin für den Flughafen Berlin Brandenburg vereinbart hatten", erklärte der Sprecher der Geschäftsführung, Rainer Schwarz. Er setze weiter auf Gespräche mit Air Berlin, um eine Lösung zu finden.

Die ebenfalls betroffene Fluglinie Lufthansa behält sich eine Schadenersatzklage vor: "Grundsätzlich ermitteln wir erst die Höhe des Schadens und entscheiden dann über das weitere Vorgehen", sagte eine Sprecherin. Wie lange das dauern könnte, sei derzeit nicht absehbar.

SCHRUMPFUNG STATT EXPANSION

Ursprünglich war die Eröffnung des Großflughafens für Juni 2012 geplant gewesen. Vor allem wegen Problemen mit dem Brandschutz wurde der Termin aber mehrmals verschoben, mittlerweile auf Oktober 2013. Air Berlin hatte sein Angebot in Berlin aber schon zum Sommer 2012 um 230 zusätzliche Flüge pro Woche erweitert. "Dieses Angebot muss nun komplett über den Flughafen Berlin-Tegel abgewickelt werden, dessen Infrastruktur für diese Aufgaben nicht ausgelegt ist", erläuterte der Lufthansa-Konkurrent das Problem.

Das Desaster um den Berliner Großflughafen sorgt auch politisch für Wirbel. Immer wieder werden Forderungen nach personellen Konsequenzen laut. Aufsichtsratchef des Flughafens ist der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. Die Länder Brandenburg und Berlin sind mit jeweils 37 Prozent, der Bund mit 26 Prozent an der Flughafengesellschaft beteiligt.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein und hatte große Hoffnungen auf den Großflughafen Berlin Brandenburg gesetzt. In der Hauptstadt wollte die Fluglinie ihr internationales Drehkreuz ausbauen und damit in die schwarzen Zahlen kommen. Nun legt die Fluglinie ein Sparprogramm nach dem anderen auf, um in die Gewinnzone zurückzukehren. Das Angebot wird zurückgefahren statt ausgebaut. Auch im Oktober senkte Air Berlin wieder die Kapazität - um 6,6 Prozent. Die Zahl der Fluggäste ging gleichzeitig um fünf Prozent auf 3,18 Millionen zurück, so dass sich die Auslastung um 1,3 Prozentpunkte auf 81 Prozent verbesserte. In den ersten zehn Monaten 2012 flogen insgesamt 29,4 Millionen Fluggäste mit Air Berlin, 5,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. (Reporterin: Sabine Wollrab; redigiert von Hans Seidenstücker)

 
A worker walks outside the main terminal of the Berlin-Brandenburg international airport (BER) outside Berlin, November 1, 2012. REUTERS/Thomas Peter