ThyssenKrupp sieht Vorstand Eichler durch Gutachten entlastet

Mittwoch, 7. November 2012, 09:01 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp sieht sein Vorstandsmitglied Edwin Eichler durch zwei Gutachten entlastet.

Den Gutachten zufolge habe er im Zusammenhang mit dem Schienenhersteller-Kartell keine Pflichtverletzung begangen. Aus dem Kreis der Kartelltäter seien Vorwürfe erhoben worden, Eichler sei im Jahr 2006 Hinweisen auf Absprachen nicht ausreichend nachgegangen, erklärte ThyssenKrupp am Mittwoch. "Diese Vorwürfe beruhten ausschließlich auf angeblichen Kenntnissen vom Hörensagen und haben sich mit den vorliegenden Gutachten in keiner Weise bestätigt." Der Personalausschuss des Aufsichtsrats hatte den Strafrechtsexperten Klaus Volk und die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer mit den Gutachten beauftragt.

Das Bundeskartellamt hatte im Juli Bußgelder gegen mehrere Schienenhersteller, darunter ThyssenKrupp und die österreichische Voestalpine, wegen illegaler Preisabsprachen verhängt, von denen insbesondere die Deutsche Bahn betroffen war. Allein ThyssenKrupp musste 103 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Die betroffene Thyssen-Tochter GfT Gleistechnik fiel in den Verantwortungsbereich Eichlers. Der Manager ist seit Jahren in Führungspositionen für ThyssenKrupp tätig. Sein Vertrag war bis 2017 verlängert worden.

Eine frühere Aufdeckung des Falls hätten die Beteiligten durch "bewusstes Schweigen und systematisches Lügen mit hoher krimineller Energie" bewusst verhindert, erklärte ThyssenKrupp. Während die Gutachten keine personellen Konsequenzen des Aufsichtsrats gegenüber Eichler rechtfertigten, habe der Konzern bereits Mitte 2011 gegenüber anderen Managern durchgegriffen. Zwölf Mitarbeiter, darunter der zuständige Bereichsvorstand, hätten das Unternehmen verlassen müssen. ThyssenKrupp verfolge gegenüber diesem Personenkreis Schadenersatzansprüche.

 
A cross atop a hill is pictured in front of the steelworks of German steel maker ThyssenKrupp AG in Bruckhausen, a suburb of the western German city of Duisburg October 1, 2012. Picture taken October 1. REUTERS/Ina Fassbender