Loewe-Chef Seidl heuert bei Media-Saturn an

Mittwoch, 7. November 2012, 10:19 Uhr
 

München/Düsseldorf (Reuters) - Loewe-Chef Oliver Seidl wechselt nach zwei glücklosen Jahren an der Spitze des Fernsehbauers als Finanzchef zum Elektronikhändler Media-Saturn.

Die in der Vergangenheit zerstrittenen Eigner von Europas größter Elektronikhandelskette verständigten sich auf den 49-Jährigen, nachdem Rolf Hagemann bereits im April die Dachgesellschaft von Media Markt und Saturn verlassen hatte. Seidls Nachfolger bei Loewe wird Matthias Harsch, bislang Geschäftsführer des Wurstwaagenherstellers Bizerba.

Seidl solle seinen neuen Posten "zum nächstmöglichen Zeitpunkt, voraussichtlich im ersten Quartal 2013" antreten, wie das Tochterunternehmen des Handelsriesen Metro am Mittwoch mitteilte. Neben dem Bereich Finanzen solle er auch die Datenverarbeitung bei Media-Saturn verantworten. Aus dem Umfeld des Media-Saturn-Minderheitseigners Erich Kellerhals war bereits in der Vergangenheit verlautet, der Milliardär halte den Kandidaten für den Posten des Finanzchefs für "sehr geeignet".

Der Düsseldorfer Konzern hält knapp über 75 Prozent an der Kette, Kellerhals über 21 Prozent. Metro und Kellerhals liegen seit langem im Clinch - sie ringen um das Sagen bei Media-Saturn. Firmengründer Kellerhals kann mit seinem Anteil auch nach einem langen Gerichtsstreit wichtige Personalentscheidungen blockieren, denn diese müssen mit einer Mehrheit von 80 Prozent gefällt werden.

Die Gesellschafter müssen sich auch bei einer weiteren wichtigen Personalie zusammenraufen. Der Vertrag von Media-Saturn-Chef Horst Norberg läuft Ende 2013 aus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Norberg als "Glücksfall" für Media-Saturn bezeichnet. Koch kann gute Nachrichten gebrauchen: Der Handelsriese war jüngst aus dem Dax abgestiegen, Koch hatte zudem seine Gewinnprognose für 2012 herunterschrauben müssen.

SEIDL KONNTE ABWÄRTSTREND BEI LOEWE NICHT STOPPEN

Seidl war 2010 an die Spitze des Traditionsunternehmens Loewe aufgerückt, nachdem sein Vorgänger Frieder Löhrer nach ebenfalls nur zwei Jahren die Brocken hingeworfen hatte. Zuvor waren die Kronacher lange Jahre vom heutigen Aufsichtsratschef und Großaktionär Rainer Hecker geführt worden, einem Urgestein der deutschen Unterhaltungselektronikbranche.

Seidl war es nicht gelungen, den Abwärtstrend der Frankenwälder langfristig zu stoppen. Allein im vergangenen Quartal hat sich der Verlust von Loewe auf 7,7 Millionen Euro binnen Jahresfrist fast verdoppelt. Der Umsatz schrumpfte um fast ein Drittel auf 47,4 Millionen Euro. Seit Jahren leidet der Erfinder des elektronischen Fernsehens unter dem Preisdruck der koreanischen Konkurrenten, deren Modelle mitunter nur einen Bruchteil der Loewe-Apparate kosten. Zudem drückt die Wirtschaftskrise in Südeuropa auf den Absatz. Auf Seidl kommen auch bei Media-Saturn Herausforderungen zu: Die Kette verbuchte in den ersten neun Monaten 2012 Rückgänge bei Umsatz und operativem Ertrag.

Eine Technologiekooperation von Loewe mit dem moribunden japanischen Hauptaktionär Sharp kommt seit Jahren nicht voran. Die Expansion auf den asiatischen Markt kam bislang nicht über die Ankündigungsphase hinaus. Anfang Oktober knickte Seidl zudem seine Prognose für das laufende Jahr. Nach einem schwachen Sommergeschäft nach der Fußball-Europameisterschaft hielt er es nicht mehr für realistisch, ein Umsatzwachstum zu erreichen und die Verluste einzudämmen.

 
A customer walks past TV screens at a newly opened store of German electronics retailer Saturn in the town of Volketswil near Zurich April 22, 2010. REUTERS/Arnd Wiegmann