Finanzkonzern ING streicht 2350 Arbeitsplätze

Mittwoch, 7. November 2012, 12:14 Uhr
 

Amsterdam (Reuters) - Der vom Staat gerettete niederländische Finanzkonzern ING baut erneut Tausende Arbeitsplätze ab und treibt damit die Schrumpfkur im europäischen Bankensektor weiter voran.

Um dem schwierigen Marktumfeld Rechnung zu tragen streiche das Unternehmen 2350 Stellen im Banken- und Versicherungsgeschäft, teilte der niederländische Marktführer am Mittwoch mit und legte zugleich ein enttäuschendes Quartalsergebnis vor. Damit kürzt ING 2,5 Prozent aller Arbeitsplätze, nachdem der Konzern 2011 schon den Abbau von 2700 Jobs im heimischen Privatkundengeschäft bekanntgegeben hatte. Erst Ende Oktober kündigte die Schweizer UBS mit dem Abbau von 10.000 Stellen eine der größten Personalkürzungen in der Branche seit der Lehman-Pleite an.

Im europäischen Versicherungsgeschäft streichen die Niederländer 1350 Jobs, im Bankgeschäft 1000 Stellen. Mit den Stellenkürzungen will der Konzern, der vor der Trennung der Versicherungssparte steht, mittelfristig 460 Millionen Euro einsparen. ING erzielte im dritten Quartal einen Gewinn von 609 Millionen Euro und verfehlte damit klar die Erwartungen von Analysten, die mit 872 Millionen Euro gerechnet hatten.

Der niederländische Finanzkonzern hatte 2008 eine Geldspritze über zehn Milliarden Euro vom Staat erhalten. Um die Staatshilfen zurückzuzahlen, zwang die EU-Kommission das Finanzinstitut, die Bilanzsumme bis 2013 um fast die Hälfte zu reduzieren und das Versicherungsgeschäft zu verkaufen. In diesem Jahr hat die Schuldenkrise sowohl den Handel an den Finanzmärkten als auch die Zahl der Übernahmen gebremst. Deshalb streichen nicht nur große internationale Player wie die Deutsche Bank und die UBS Stellen, sondern auch zahlreiche kleine Finanzfirmen.