Commerzbank krempelt Filialgeschäft um - und spart

Donnerstag, 8. November 2012, 09:06 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Bessere Technik, moderne Filialen und neue Produkte sollen das lahmende Privatkundengeschäft der Commerzbank in den kommenden vier Jahren ankurbeln.

"Ein 'Weiter so' kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben", sagte Vorstandschef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt. "Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen wird die wichtigste Aufgabe aller Banken in den kommenden Jahren sein." Der Gewinn im Privatkundengeschäft soll bis 2016 auf rund eine halbe Milliarde Euro steigern. In den ersten neun Monaten waren es nur 215 Millionen Euro.

Teil des Plans sei eine "Anpassung der Personalkapazitäten", die zunächst einmal Geld kosten werde, erklärte die zweitgrößte deutsche Bank. Der Umfang des Stellenabbaus steht nicht fest, weil die Verhandlungen mit dem Betriebsrat erst begonnen haben.

Die Bank will künftig wieder mit dem Slogan "Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite" um die Kunden werben. Damit kehrt sie zu dem Motto zurück, das sie vor der Fusion mit der Dresdner Bank 2008 mehr als zwei Jahrzehnte lang hatte. Mit der Fusion hatte die Bank die Hoffnung verbunden, mit ihren rund elf Millionen Privatkunden 2012 eine Milliarde Euro zu verdienen. Doch das erwies sich unter anderem wegen der Zinsflaute als Illusion - das neue Ziel ist nur noch halb so hoch. Die Zahl der Filialkunden soll in den kommenden vier Jahren um eine Million steigen. Dabei will die Bank eine Milliarde Euro in die derzeit rund 1200 Filialen, die IT-Systems und die dort Beschäftigten investieren.

Steigende Erträge und sinkende Kosten sollen die Bank bis 2016 deutlich profitabler machen. Die Commerzbank stellte eine Nettorendite auf das Eigenkapital von zehn Prozent für 2016 in Aussicht; die Deutsche Bank erwartet zwölf Prozent - allerdings ein Jahr früher. Die operative Aufwandsquote (Cost-income-ratio) soll sich im Kerngeschäft auf 60 Prozent verbessern. Ende September lag sie bei 69 Prozent. Insgesamt sollen zwei Milliarden Euro in das Kerngeschäft fließen. Die Kosten will Blessing trotz steigender Löhne und Investitionen auf dem heutigen Niveau von 7,1 bis 7,3 Milliarden Euro halten.

Das Neugeschäft mit Staats-, Schiffs- und gewerblichen Immobilienfinanzierungen hatte die Commerzbank im Sommer gestoppt. Die vorhandenen Kredite - derzeit summieren sie sich auf 160 Milliarden Euro - sollen "wertschonend" abgebaut werden. Bis 2016 soll das Portfolio um mehr als 40 Prozent schrumpfen, ohne dass die Bank Kreditpakete an andere verkaufen will. Die Personaldecke der ehemaligen Tochter Eurohypo, die noch 1000 Menschen beschäftigt, soll entsprechend schrumpfen.

"BAD BANK" LASTET AUF DEM GEWINN

Im dritten Quartal hat der Abbau der Portfolien, die in die eigene "Bad Bank" NCA ausgelagert wurden, den Gewinn der Bank deutlich belastet. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 78 (Vorjahr: minus 687) Millionen Euro nach Anteilen Dritter, weil die Commerzbank mehr Geld für die in der NCA steckenden Risiken zurücklegen musste. Der Nettogewinn lag unter den Erwartungen von Analysten. Ein höherer Gewinn im Kapitalmarktgeschäft konnte ein Minus von fast einer halben Milliarde Euro in der Abbaubank nicht wettmachen.

In den letzten drei Monaten des Jahres werde das operative Ergebnis wegen einer steigenden Risikovorsorge noch geringer ausfallen als die 216 Millionen Euro, die von Juli bis September erwirtschaftet worden waren, warnte die Bank. "Mit Blick auf die steigenden Anforderungen an die Kapitalausstattung von Banken, das anhaltend niedrige Zinsniveau und Vertrauensverluste bei den Kunden erwarten wir weiterhin Belastungen auf der Ertragsseite", sagte Finanzvorstand Stephan Engels.

 
A logo of Germany's Commerzbank is pictured in Frankfurt, November 7, 2012. Picture taken with long exposure. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)