US erheben Solar-Strafzölle gegen China- "Handelskrieg"

Donnerstag, 8. November 2012, 12:25 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Im Kampf gegen Billigimporte aus China kann die hiesige Solarindustrie Etappensiege verbuchen.

Während die US-Handelskommission einstimmig für die kommenden fünf Jahre gepfefferte Zölle auf Solartechniken aus der Volksrepublik festsetzte, kündigte die EU am Donnerstag an, die Konkurrenz aus China auf staatliche Beihilfen zu überprüfen. Untersuchungen über Dumpingpreise sind bereits angelaufen. Derweil ächzt SMA Solar, der weltgrößte Wechselrichterproduzent, unter dem erbitterten Preiskampf. Trotz Absatzsteigerungen musste die die hessische Firma in den ersten neun Monaten einen Gewinneinbruch hinnehmen.

SMA steht damit zwar besser da als andere Firmen der Branche, die beinahe allesamt - auch die chinesischen -rote Zahlen schreiben. Wegen des Preiskampfes und der staatlichen Förderkürzungen im schuldengeplagten Europa zeichnet SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon allerdings für 2013 ein düsteres Bild. Er rechnet mit einem Umsatzeinbruch und plant Stellenstreichungen, um einen Verlust zu verhindern.

CHINESISCHER KONZERNCHEF: "SIND IN GLOBALEM HANDELKRIEG"

Die endgültige Entscheidung der US-Handelskommission über hohe Zölle auf Solarmodule und -zellen aus China wie auch die Untersuchungen der EU-Kommission fachen den schwelenden Handelsstreit zwischen den Ländern weiter an. Der Chef des chinesischen Solarkonzerns Yingli, Liangshen Miao, sagte: "Wir sind nun mitten in einem globalen Handelskrieg." Jifan Gao, Chef von Trina Solar, warf den USA Protektionismus vor und erwartet nun geringere Investitionen. Gordon Brinser, Chef der US-Tochter der Bonner Solarworld, hofft dagegen auf bessere Zeiten. Die Zölle erlaubten den US-Herstellern wieder zu investieren und Personal einzustellen.

Die USA und China streiten sich seit Jahren in Handelsfragen. So erhebt die Volksrepublik seit einigen Monaten Anti-Dumping-Zölle auf Autoimporte aus den USA, während diese wiederum hohe Abgaben auf Stahltürme für Windkraftanlagen aus chinesischer Produktion verlangen.

Die nun festgesetzten Strafzölle bewegen sich je nach Unternehmen zwischen 18 und 250 Prozent. Betroffen sind unter anderem der weltgrößte Solarmodulhersteller Suntech mit 36 Prozent und Trina Solar mit knapp 24 Prozent.

Mit Solarworld an der Spitze hatten Firmen in den USA und Europa Petitionen und Beschwerden gegen die Konkurrenz aus China eingereicht. EU-Handelskommissar Karel de Gucht prüft seit Anfang September die Vorwürfe europäischer Hersteller. Er hat 15 Monate Zeit, den Markt unter die Lupe zu nehmen und über Strafzölle zu befinden.

2011 verkauften die Chinesen Solarmodule und dazugehörige Bauteile im Wert von 21 Milliarden Euro in Europa, das für die chinesische Solarindustrie der wichtigste Exportmarkt ist. In die USA exportierten sie Solartechnik im Wert von 2,4 Milliarden Euro.