Weihnachtsgeschäft soll der Post Gewinnwünsche erfüllen

Donnerstag, 8. November 2012, 12:41 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Post schlägt der Schuldenkrise in Europa dank boomender Geschäfte in Asien weiter ein Schnippchen.

Die Umsätze steigerte der Konzern im dritten Quartal deutlich, beim Gewinn musste er aber Abstriche machen - operativ konnte er die Markterwartungen nicht erfüllen. Der Grund dafür ist in Deutschland zu suchen: In der Briefsparte bröckelte der operative Ertrag, eine seit April geltende Lohnerhöhung und die Pleite des Versandhändlers Neckermann machten sich bemerkbar. Konzernchef Frank Appel bekräftigte aber ausdrücklich seine Ziele für 2012 - er will im Weihnachtsgeschäft beim Gewinn Boden gut machen und mehr verdienen als noch 2011. Die Rivalen FedEx und UPS hatten ihre Ziele im Jahresverlauf senken müssen.

"Unser Wachstumstrend ist auch in dem erwartet schwierigen Marktumfeld intakt", betonte Appel. Die Post sei dort stark, wo die wirtschaftliche Dynamik am höchsten sei: in den asiatischen Wachstumsmärkten. Vor allem das internationale Expressgeschäft legte im Quartal bei Umsatz und Ertrag zu. Insgesamt konnte der Bonner Konzern zwischen Juli und September den Umsatz um 5,7 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro steigern, wie er am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Der operative Gewinn (Ebit) sank indes um 6,5 Prozent auf 604 Millionen Euro - "ein leicht schlechteres Ergebnis", musste Appel einräumen. Im Briefbereich ließ die mit der Gewerkschaft Verdi vereinbarte Lohnerhöhung von insgesamt rund vier Prozent die Personalkosten steigen. Die Neckermann-Pleite kostete der Post zudem beim operativen Gewinn rund zehn Millionen Euro. Appel sieht den deutlichen Ergebnisrückgang in der Sparte aber als Ausrutscher - im Paketgeschäft dauere der Boom durch den weiter wachsenden Online-Handel an. Auch kann der Konzern im kommenden Jahr erstmals seit 1997 in Deutschland die Briefpreise erhöhen. Appel und Finanzchef Larry Rosen zeigten sich deshalb zuversichtlich, den operativen Gewinn der Brief-Sparte dauerhaft bei rund einer Milliarde Euro im Jahr stabilisieren zu können. "Die Transformation des Einzelhandels in die Internet-Welt wird anhalten", betonte Appel.

Die Post verfehlte beim operativen Gewinn die Erwartungen des Marktes. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel einen Umsatz von 13,594 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 648 Millionen Euro prognostiziert. Nach einem deutlichen Minus am Morgen notierten Post-Aktien gegen Mittag mit einem Minus von rund 0,8 Prozent bei 14,93 Euro. Das Paketgeschäft werde aber weiter zulegen und die Express- und Logistiksparten hätten Wachstumspotenzial in Asien, erklärten Silivia-Quandt-Analysten.

Die im Vorquartal angehobene Prognose für das Gesamtjahr bekräftigte Konzernchef Appel: Die Post rechnet 2012 mit einen Anstieg des Ebit auf 2,6 bis 2,7 (Vorjahr: 2,4) Milliarden Euro. Im vierten Quartal muss der Konzern nun einen Schlussspurt hinlegen: Nach neun Monaten lag der operative Gewinn bei 1,8 Milliarden Euro. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft erwartet Appel nun Ergebnisverbesserungen gegenüber dem Vorjahr. Im kommenden Jahr solle sich die positive Ergebnisentwicklung aus 2012 dann "tendenziell fortsetzen". Auch an seiner Mittelfrist-Prognose bis 2015 hält Appel fest: Dann soll das operative Ergebnis bei bis zu 3,55 Milliarden Euro liegen.

Weltmarktführer UPS hatte seine Jahresziele nach dem zweiten Quartal noch gesenkt. Auch UPS hatte sich dann aber optimistisch für das Weihnachtsgeschäft gezeigt. Rivale FedEx hatte im September seine Jahresprognosen zusammengestrichen.