ProSiebenSat.1 wächst dank Nordeuropa-Geschäft und Internet

Donnerstag, 8. November 2012, 12:53 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Das Nordeuropageschäft und sein wachsendes digitales Angebot haben dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 im dritten Quartal die Bilanz gerettet.

Trotz Rückgängen im wichtigen deutschsprachigen TV-Geschäft schaffte die Senderkette im dritten Quartal mit ihren beliebten skandinavischen Sendern und Angeboten wie Video auf Abruf, Online-Spielen oder Musik ein Umsatz- und Gewinnplus.

Der Vorstand sieht den Konzern, den er von der konjunkturanfälligen TV-Werbefinanzierung unabhängiger machen will, deshalb auf Kurs, die selbstgesteckten Jahresziele zu erreichen. Dennoch verloren die Aktien am Donnerstag zeitweise knapp fünf Prozent und führten damit die Verliererliste im MDax an. Der Rückgang am Kernmarkt sei etwas beunruhigend, auch vor dem Hintergrund, dass die nordischen Aktivitäten möglicherweise verkauft würden, schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Heider.

Insgesamt fielen die Zahlen etwas besser aus als Experten erwartet hatten. Der Umsatz stieg zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf 637 Millionen Euro, wie der RTL-Konkurrent mitteilte. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 2,3 Prozent auf 167,3 Millionen Euro. Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn auf 61,3 von 11,4 Millionen Euro.

Das deutschsprachige TV-Geschäft - das den mit Abstand größten Umsatz und operativen Gewinn bringt - musste jedoch Federn lassen. Dies zum einen, weil das Vorjahresquartal recht stark ausgefallen war, und die TV-Werbeerlöse in Deutschland und Österreich nun zurückgingen. Zum anderen, weil die Senderkette am deutschen Markt die Olympischen Sommerspiele nicht übertrug. Der gemeinsame Marktanteil von SAT.1, ProSieben, kabel eins und sixx sank den Angaben zufolge auf 26,8 (Vorjahr: 29,4) Prozent. Vorstandschef Thomas Ebeling sagte, das vierte Quartal habe recht vielversprechend begonnen. Er bekräftigte, dass er im Gesamtjahr ein kleines Plus bei den Werbeeinnahmen erwarte.

Freude bereiteten ProSiebenSat.1 erneut die nordeuropäischen TV-Sender. Gestiegene Werbeeinnahmen und die Beliebtheit neuer Sender verhalfen dem Konzern zu einem Umsatzplus im internationalen Fernsehgeschäft von 8,8 Prozent. Das operative Ergebnis stieg sogar um fast 43 Prozent. Die gut laufenden Geschäfte haben einige Interessenten angezogen. Derzeit werte das Unternehmen die vorliegenden Angebote aus, sagte Ebeling. Zu Details äußere er sich nicht. Aber der Konzern werde das Geschäft nur verkaufen, wenn es einen "sehr sehr guten Preis dafür erziele", machte er deutlich.

Drei Interessenten haben laut mit dem Prozess vertrauten Personen jeweils mehr als 1,3 Milliarden Euro für die Fernsehsender geboten. Bei den Firmen handelt es sich demnach um den US-Pay-TV-Anbieter Discovery Communications sowie die Finanzinvestoren Providence und Nordic Capital. Bis spätestens Anfang Dezember müssten die Interessenten nun verbindliche Angebote abgeben.

Für 2012 bekräftigte Ebeling die Prognose, wonach der Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen soll. Beim operativen Gewinn will der Fernsehkonzern den Vorjahreswert von 850 Millionen Euro übertreffen.