Grafitspezialist SGL Group rutscht in die roten Zahlen

Donnerstag, 8. November 2012, 14:11 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Verzögerungen und Modellwechsel beim US-Flugzeugbauer Boeing haben den Wiesbadener Grafitspezialisten SGL Group in die roten Zahlen gedrückt.

Der Konzern schrieb im dritten Quartal einen Verlust von 22,8 Millionen Euro nach einem Gewinn von 21,9 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie SGL am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. SGL liefert Bauteile aus Carbonfasern für den neuen Boeing-Jet "Dreamliner". Der US-Konzern hat Probleme mit den Auslieferungen und drosselte zudem Produktionsmengen bei einer Modellvariante zugunsten einer anderen. Daher seien einige langfristige Lieferverträge von SGL inzwischen nicht mehr werthaltig. Die Folge: SGL musste im Sommerquartal 54,2 Millionen Euro in seinem Carbonfaser-Geschäft abschreiben.

An der Börse schlug sich SGL dennoch wacker: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie gewann gegen einen negativen Trend 0,6 Prozent auf 31,23 Euro. Der MDax büßte dagegen 0,7 Prozent ein. Das Unternehmen hatte die Abschreibungen im Carbonfaser-Geschäft bereits angekündigt.

Weitere Wertberichtigungen erwartet Konzernchef Robert Koehler im laufenden Jahr nicht. Das sei aktuell die Einschätzung der Situation, sagte der Manager im Gespräch mit Reuters. "Was wir natürlich nicht wissen können, ist, ob woanders noch etwas kommt, was wertberichtigt werden muss. Das sehen wir im Moment aber nicht", sagte der SGL-Chef. Im dritten Quartal schrumpfte wegen der Abschreibungen das Betriebsergebnis (Ebit) deutlich auf 7,7 Millionen Euro von 48,2 Millionen Euro vor Jahresfrist. Seinen Umsatz steigerte das Unternehmen hingegen um annähernd 13 Prozent auf 446,1 Millionen Euro. Konzernchef Koehler bestätigte zudem die Prognose eines Umsatzanstiegs im Gesamtjahr. Den Konzern-Betriebsgewinn erwartet er jetzt bereinigt um die Abschreibungen auf die Boeing-Geschäfte auf Vorjahresniveau bei rund 160 Millionen Euro.

AUFTRAGSABWICKLUNG SCHIEBT GESCHÄFT IN ELEKTRODEN-SPARTE AN

Anders als die Carbonfaser-Sparte entwickelten sich die anderen Geschäftsbereiche dem Unternehmen zufolge operativ weitgehend nach Plan. Dabei profitierte der mit Abstand größte Geschäftsbereich Performance Products (PP), in dem SGL seine Geschäfte mit Grafitelektroden für die Stahlbranche und mit Kathoden für Aluminiumschmelzer bündelt, von der Abwicklung eines langfristigen Liefervertrages. Zudem stützten höhere Verkaufspreise das Geschäft. Der Konzern rechnet im vierten Quartal zudem mit höheren Auslieferungen als in den ersten drei Quartalen. Die Nachfrage nach Kathoden erholt sich laut SGL. In seinem Carbonfaser-Geschäft leidet der Konzern hingegen weiter unter der schwachen Nachfrage aus der Windenergiebranche und den Verzögerungen bei Projekten in der Luftfahrt. Die Sparte wird SGL zufolge daher im Gesamtjahr höhere Verluste schreiben als noch 2011.