Insider: BayernLB-Wohnungen locken Dutzende Interessenten an

Freitag, 9. November 2012, 17:03 Uhr
 

Frankfurt/München (Reuters) - Die 32.000 Wohnungen der BayernLB in Süddeutschland ziehen nach Angaben aus Branchen- und Finanzkreisen zahlreiche Investoren aus dem In- und Ausland an.

Rund zwei Dutzend Interessenten hätten den Finger gehoben und Informationen zur Immobilientochter GBW angefordert, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Vorläufige, noch unverbindliche Offerten werden nun bis Mitte Dezember erwartet. Die Zahl der Bieter reduziert sich dann erfahrungsgemäß recht schnell. Deutschlands zweitgrößte Landesbank hofft auf einen Verkaufspreis von 2,5 Milliarden Euro, wie die Insider berichteten. Bei einigen Interessenten liege die Preisvorstellung dagegen eher bei zwei Milliarden Euro. "Die strengen Regeln zum Mieterschutz schmälern ein Stück weit die künftigen Renditen", hieß es bei einem potenziellen Käufer. Die Münchner Bank wollte sich zum aktuellen Stand nicht äußern.

Der GBW-Deal soll bis April 2013 abgeschlossen sein. Es dürfte der größte Verkauf privater Wohnungen in Deutschland im kommenden Jahr werden, nachdem schon 2012 etliche milliardenschwere Pakete den Besitzer gewechselt haben. Die BayernLB muss sich auf Drängen der EU von ihren Immobilienbeständen trennen. Die ostdeutsche Tochter DKBI verkaufte sie zu Jahresbeginn bereits an den Hamburger Wohnungskonzern TAG. Dass das Interesse an der süddeutschen GBW nun ungleich größer ist, dürfte auch daran liegen, dass sich ein Großteil der Wohnungen in München befindet, wo die Kaufkraft besonders hoch ist und die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen seit Jahren deutlich anziehen. Gerade strategische Investoren wollen davon profitieren.

Einige Bieter haben ihr Interesse bereits vor Monaten offiziell gemacht: Dazu zählen die Augsburger Wohnungsgesellschaft Patrizia und die bayerischen Kommunen. Sie schließen sich jeweils mit finanzstarken Versicherern und Pensionskassen zu Bieterkonsortien zusammen. Patrizia bekam mit diesem Modell schon beim Verkauf der LBBW-Wohnungen den Zuschlag. Auch der österreichische Immobilienkonzern Immofinanz wollte sich die GBW-Bestände näher anschauen. Die Wiener Conwert hat das Kreisen zufolge ebenfalls vor.

AUS NEUGIER EINMAL IN DIE BÜCHER SCHAUEN

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich auch Immobilienfirmen wie Deutsche Wohnen und TAG die GBW-Unterlagen kommen lassen, am Ende aber nicht mitbieten werden. Beide Konzerne sind derzeit mit anderen Projekten beschäftigt: Deutsche Wohnen liebäugelt mit dem Kauf von 38.000 Wohnungen der Gagfah in Dresden, den sogenannten Woba-Gesellschaften. Und die TAG steht Finanzkreisen zufolge vor dem Zuschlag für die 12.000 Wohnungen der bundeseigenen TLG Immobilien. Diese sollten zusammen mit zahlreichen Gewerbeimmobilien bis Jahresende privatisiert werden. Allerdings zieht sich der Prozess nun doch länger hin als erwartet: Die Bundesregierung geht inzwischen davon aus, dass die Transaktion erst Anfang 2013 abgeschlossen werden kann, wie aus Regierungskreisen verlautete.

Auch Finanzinvestoren wie Cerberus und Blackstone dürften in das Rennen um die GBW einsteigen. Sie werden sich aber wohl genau überlegen, ob die Mieterschutz-Klauseln, die die bayerische Landesregierung bei der GBW unter dem Schlagwort "Sozialcharta XXL" durchgesetzt hat, für sie tragbar sind. Denn damit ist die Zahl lukrativer Weiterverkäufe von Wohnungen begrenzt. Was am Ende bleibt, das sind die Einnahmen aus dem laufenden Vermietungsgeschäft. "Damit lassen sich Renditen von fünf Prozent nach Steuern herausziehen", erklärte ein Immobilienexperte. "Für Versicherer und Strategen ist das im Niedrigzinsumfeld viel, für Beteiligungsgesellschaften eher mäßig."