Schnelle Expansion brockt Zooplus höhere Verluste ein

Montag, 12. November 2012, 10:13 Uhr
 

München (Reuters) - Der Internet-Händler Zooplus nimmt für seine rasante Expansion ins Ausland kurzfristig höhere Verluste in Kauf.

Im dritten Quartal stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 1,54 (Vorjahr: minus 1,15) Millionen Euro, wie das auf den Vertrieb von Tierfutter spezialisierte Unternehmen am Montag in München mitteilte. Mit Lockangeboten wird aggressiv um Kunden geworben. "Das kostet Geld", sagte Finanzchef Florian Seubert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Auch sei der Wettbewerb zuletzt schärfer geworden. Neue Kunden würden oft auf Dauer bleiben. Insofern seien die Rabatte gut investiertes Geld.

Die Bruttomargen liegen wegen der Strategie momentan aber nur bei 36 bis 37 Prozent - unter dem eigentlichen Zielwert von 40 Prozent. Seubert sagte, dies sei in Ordnung, solange das Unternehmen weiter schnell wachse, was mindestens noch zwei Jahre der Fall sein werde. "Ich sehe kein Ende der Dynamik." In den ersten neun Monaten des Jahres gewann Zooplus 1,1 Millionen neue Kunden - ein Rekordwert. Die Gesamtleistung - der Umsatz plus sonstige Erträge - soll 2012 auf mindestens 330 (2011: 257) Millionen Euro klettern. Bisher war von mehr als 320 Millionen Euro die Rede. Von Juli bis September stieg die Gesamtleistung auf 85,4 (66,4) Millionen Euro. Für 2013 plant die Burda-Tochter mit einer Gesamtleistung von mindestens 400 Millionen Euro und operativ einer schwarzen Null.

An der Börse kam die Quartalsbilanz sehr gut an: Zooplus-Aktien verteuerten sich um 5,4 Prozent auf 31,54 Euro. Sie waren damit größter Gewinner im SDax.

Zooplus wächst vor allem im Ausland stark. Ende des Jahres steht die Türkei als neues Land auf dem Zettel. Seubert sagte, vor allem der Westen mit dem Großraum Istanbul, wo 25 bis 30 Millionen Menschen lebten, sei interessant. "Hier gibt es einen Bedarf nach westlichen Konsumgütern und eine Kaufkraft, die über der von Südeuropa liegt." Außerdem gebe es keine großen stationären Tierfutter-Ketten. Die Margen dürften zwar niedriger als in anderen Ländern sein, dafür sei es aber auch billiger, die Orders per Paket zu verschicken.

Der Konzern profitiert zudem vom Trend zu mehr Einkäufen im Internet. Deswegen gebe es auch in rezessionsgeplagten Ländern wie Italien und Spanien Wachstumsraten von 30 bis 40 Prozent in diesem und nächstem Jahr, so Seubert. "Die Leute schauen aktiver nach einem guten Online-Deal."