Privatbank Bär findet Bündnispartner in Italien

Montag, 12. November 2012, 11:44 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär tritt mit seinem defizitären Italien-Geschäft die Flucht nach vorn an.

Das Zürcher Traditionshaus bringt die lokale Tochtergesellschaft in die Mailänder Kairos Investment Management ein. Im Gegenzug beteilige sich Bär mit 19,9 Prozent an Kairos, die mit 115 Mitarbeitern Vermögen von rund 4,5 Milliarden Euro verwaltet. "Dieser Schritt zeugt von unserem Bestreben, in Italien weiter zu wachsen und unser Geschäft voranzubringen", erklärte Konzernchef Boris Collardi am Montag. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht. Beide Parteien wollen nach ein paar Jahren gemeinsam über eine künftige Aufstockung der Bär-Beteiligung entscheiden.

Bär ist seit 2006 in Italien präsent und verwaltet Kreisen zufolge Vermögen von rund einer Milliarde Franken. Damit fehlt den Schweizern die kritische Masse, so dass das Geschäft den Kreisen zufolge rote Zahlen schreibt. Die steigenden regulatorischen Anforderungen und die spärlichen Kundenaktivitäten machen derzeit insbesondere kleinen Vermögensverwaltern europaweit das Leben schwer.

Mit der geplanten Zusammenarbeit, über die Reuters bereits im Juli berichtet hatte, will Bär das Steuer nun herumreißen. Die beiden Häuser wollen in Italien eine neue Privatbank aufbauen und beantragten dafür eine Lizenz. Die Transaktion müsse noch von Regulatoren genehmigt werden und dürfte im ersten Halbjahr 2013 abgeschlossen sein. Kairos-Chef Paolo Basilico und seine Partner würden die Firma mit demselben Personal und derselben Strategie weiterführen. Die Bär-Mitarbeiter sollen zur neu geschaffenen Einheit wechseln.

Die Anleger reagierten positiv. Die Bär-Aktien kletterten im Morgenhandel um 0,8 Prozent auf 32,98 Franken, während die europäischen Bankenwerte insgesamt 0,2 Prozent nachgaben. "Für Bär bringt die Transaktion eine größere kritische Masse in einem von Europas größten lokalen Vermögensverwaltungsmärkten", erklärte Kepler-Analyst Dirk Becker. Der Schritt weise Ähnlichkeiten zur Zusammenarbeit mit der brasilianischen GPS auf.

Bär hatte sich am größten unabhängigen Vermögensverwalter des boomenden südamerikanischen Landes im Mai 2011 beteiligt. GPS verwaltete damals 5,4 Milliarden Dollar. Sowohl die Kooperation mit GPS als auch die mit Kairos wird aber von der zur Zeit laufenden Übernahme des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Bank of America Merrill Lynch in den Schatten gestellt, das auf verwaltete Vermögen von über 80 Milliarden Franken kommt.