Deutsche Wohnen hat Dresden fest im Blick

Montag, 12. November 2012, 16:05 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen peilt immer höhere Gewinne an und fühlt sich deshalb stark genug für den nächsten großen Zukauf.

Wenn es nach Vorstandschef Michael Zahn geht, dann sind das die 38.000 Wohnungen, die die angeschlagene Konkurrentin Gagfah gerade in Dresden auf den Markt wirft. Der Verkaufsprozess für die sogenannten Woba-Gesellschaften mit einem Buchwert von 1,8 Milliarden Euro läuft auf vollen Touren, verbindliche Offerten werden nach Angaben aus Branchen- und Finanzkreisen bis Monatsende erwartet. Entsprechend bedeckt hielt sich Zahn am Montag zu Details. Er bekräftigte in einer Telefonkonferenz lediglich: "Wir wollen in ostdeutschen Metropolen wie Dresden und Leipzig zukaufen. Die Woba ist interessant."

In Süddeutschland, wo die BayernLB bis zum Frühjahr ihre Immobilientochter GBW mit 32.000 Wohnungen veräußern will, macht sich Deutsche Wohnen dagegen kaum Hoffnungen, zum Zuge zu kommen. Die Landesbank hofft auf einen Verkaufserlös von bis zu 2,5 Milliarden Euro. "Es gibt ein großes Interesse an dem Portfolio, was sich im Preis widerspiegeln dürfte", betonte Zahn. Deutsche Wohnen werde sich hier nicht in einen Bieterwettstreit begeben. "Wir sind da nicht die treibende Kraft."

Zuletzt hatte sich der Konzern die milliardenschwere Baubecon-Gruppe von Barclays einverleibt. Die Integration der Bestände soll binnen sechs Monaten abgeschlossen sein. Damit verwaltet Deutsche Wohnen nun bundesweit mehr als 70.000 Wohnungen und ist neben der Gagfah eine der beiden größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften hierzulande. Mit der Woba könnte der Konzern sogar zur Nummer eins aufsteigen. Doch dafür braucht Zahn abermals die Unterstützung der Aktionäre. Sie sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Dezember die Erlaubnis für eine weitere Kapitalerhöhung um bis zu eine Milliarde Euro geben. Das würde zusammen mit Kreditlinien für die Woba reichen.

AKTIE IM AUFWIND

An der Börse griffen Anleger am Montag zu. Mit einem Plus von über zwei Prozent war die Deutsche-Wohnen-Aktie Spitzenreiter im Nebenwerteindex MDax. Investoren könnte die Aussicht auf eine höhere Dividende locken. Denn Deutsche Wohnen schraubte jetzt zum zweiten Mal binnen weniger Monate das Jahresziel hoch: Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) solle bei mindestens 65 Millionen Euro liegen, kündigte Zahn an. Im Sommer war noch von 60 bis 65 Millionen die Rede gewesen. Doch nach neun Monaten kam das Unternehmen schon auf 52,4 Millionen - das sind gut 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Unter dem Strich blieben 50,8 Millionen in der Kasse, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Dabei hilft nicht nur, dass durch den vergrößerten Bestand die Mieteinnahmen steigen und der Leerstand generell niedrig ist. Auch die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ist gestiegen, insbesondere in Berlin. Deutsche Wohnen kann deshalb vielerorts höhere Preise durchsetzen.