Wincor lässt Aktionäre Gewinneinbruch spüren

Montag, 12. November 2012, 16:05 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der von der Euro-Schuldenkrise gebeutelte Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf sucht nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Bilanzjahr sein Heil verstärkt in den Schwellenländern.

Die Produktionsverlagerung in die aufstrebenden Märkte und den damit einhergehenden Jobabbau in Deutschland lässt sich der Konzern viel kosten: Nach 40 Millionen Euro im vergangenen Jahr will der Vorstand für die Restrukturierungen nochmals 20 Millionen Euro in die Hand nehmen, wie Finanzvorstand Jürgen Wunram am Montag in Düsseldorf ankündigte. "Wir können nicht warten, bis der Markt in Europa wiederkommt, wir müssen unsere Hausaufgaben machen", sagte Firmenchef Eckard Heidloff. Ziel sei es, den Geschäftsanteil der Schwellenländer in den kommenden Jahren von derzeit 27 Prozent auf 30 Prozent auszubauen.

Die Wincor-Kunden - Banken und Handel - in Deutschland und Südeuropa halten sich wegen der Schuldenkrise seit längerem mit Investitionen in neue Hardware zurück. Das führte zusammen mit den 40 Millionen Restrukturierungskosten 2011/12 bei Wincor zu einem Gewinneinbruch. Bei einem Umsatzplus von einem Prozent auf 2,34 Milliarden Euro sackte der operative Gewinn (Ebita) um 38 Prozent auf 101 Millionen Euro ab. Netto blieben noch 63 Millionen Euro übrig, 42 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Den Gewinnrückgang bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Sie sollen für 2011/12 eine um 65 Cent auf 1,05 Euro reduzierte Dividende erhalten. An der Börse sank der Wincor-Kurs am Nachmittag um 0,6 Prozent.

RASCHE BESSERUNG NICHT IN SICHT

Heidloff machte kaum Hoffnung auf eine rasche Besserung. "In Südeuropa ist mittelfristig kaum Wachstum zu erreichen", sagte der Firmenchef. Ein Ende der Investitionszurückhaltung sei auch hierzulande nicht absehbar. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die "Banken großen Appetit auf Investitionen hätten". Für Lichtblicke sorgten lediglich Osteuropa, die Türkei aber auch die USA und die Region Asien/Pazifik. Große Hoffnung setzt der Vorstand zudem auf den Bereich Software/Services, der inzwischen 53 (Vorjahr: 50) Prozent des Umsatzes ausmacht.

Heidloff stellte für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzplus von etwa zwei Prozent in Aussicht. Der operative Gewinn soll 120 Millionen Euro erreichen.

Wincor hatte bereits vor einigen Monaten einen Jobabbau angekündigt. Von den geplanten 500 Stellenstreichungen sind bereits 300 über die Bühne gegangen. 200 würden in den kommenden Monaten folgen, erklärte der Vorstand.