Licht und Schatten bei Immobilienbanken Aareal und pbb

Dienstag, 13. November 2012, 12:30 Uhr
 

Frankfurt/München (Reuters) - Der Ausleseprozess unter den Immobilienbanken schreitet voran: Während die Wiesbadener Aareal Bank Kurs auf ihr Jahresziel hält, ein Neugeschäft von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro einzufahren, tut sich die Münchner HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank (pbb) schwer, im Markt Fuß zu fassen.

Sie kassierte am Dienstag endgültig ihr Ziel, 2012 wie im Vorjahr Kredite von acht Milliarden Euro auszureichen. Das ist ein Rückschlag für das Institut, das nach der Rettung durch den Steuerzahler bis spätestens Ende 2015 privatisiert werden muss und die Zeichen eigentlich auf Expansion gestellt hat. Denn gerade in Deutschland bieten sich in der Immobilienfinanzierung derzeit viele Chancen, nachdem Wettbewerber wie die Eurohypo oder die Westimmo vom Markt verschwunden sind und Landesbanken ihr Geschäft nur langsam wieder hochfahren.

Entsprechend zufrieden zeigte sich Aareal-Chef Wolf Schumacher. "Wir haben geliefert", sagte er. Aareal, die als einer der wenigen verbliebenen Anbieter auch international unterwegs ist, werde wahrscheinlich sogar am oberen Ende der angepeilten Neugeschäftsspanne herauskommen. Nach neun Monaten waren es drei Milliarden Euro. Doch selbst wenn Aareal 2012 die 5,5 Milliarden schafft - im Vergleich zum Vorjahr (acht Milliarden) wäre es ein deutlicher Rückgang. Das liegt vor allem daran, dass sich das Institut in der ersten Jahreshälfte zunächst auf die Refinanzierung konzentriert hatte und erst jetzt im Neugeschäft an Fahrt aufnimmt. Das soll sich 2013 ändern, wie Schumacher ankündigte. "Wir werden dann gleich im Januar starten." Die Ausgangssituation sei heute viel besser als Ende 2011, Aareal solide vorfinanziert.

Zwar macht auch die Pfandbriefbank pbb eine Entspannung auf der Refinanzierungsseite und eine Belebung der Geschäfte im dritten Quartal aus, wie Finanzchef Alexander von Uslar berichtete. "Es braucht aber eine Weile, bis sich das zeigt." Das Neugeschäftsvolumen von 2,9 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten reiche deshalb nicht aus, um das Jahresziel noch zu schaffen.

AAREAL MIT VOLLER "ANGSTKASSE"

Die Hypo Real Estate stand in der Finanzkrise vor dem Aus und konnte nur dank staatlicher Hilfen im Volumen von zeitweise rund 150 Milliarden Euro gerettet werden. Die gefährlichsten Wertpapiere und Kredite wurden an die Bad Bank FMS ausgelagert, um mit der pbb einen Neuanfang zu wagen. Zumindest beim Gewinn konnte die pbb nun glänzen - auch weil sie einen Teil ihrer Risikovorsorge auflöste. So fuhr das Institut im dritten Quartal ein Vorsteuerergebnis von 49 (Vorjahr: 43) Millionen Euro ein und damit das beste Ergebnis im bisherigen Jahresverlauf. Nach den ersten neun Monaten waren es 100 Millionen, im Gesamtjahr sollen es bis zu 140 (2011: 188) Millionen werden.

Dagegen schrumpfte bei der Aareal das Betriebsergebnis im Quartal auf 42 (47) Millionen Euro. Hauptgrund ist der sinkende Zinsüberschuss, den das Institut in Kauf nimmt, weil es derzeit über vier Milliarden Euro an überschüssiger Liquidität für lau bei der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank parkt. Die "Angstkasse" verspricht Sicherheit, kostet aber auch Geld. Im Gesamtjahr soll das Betriebsergebnis aber weiter nur leicht unter dem Rekordwert des Vorjahres von 185 Millionen Euro liegen.

Auch die Aareal griff in der Finanzkrise auf den Steuerzahler zurück - über Garantien und Stille Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin. Garantien nutzt die Bank inzwischen nicht mehr, von der ursprünglich 525 Millionen Euro schweren Einlage sind noch 300 Millionen übrig. Mit der Rückzahlung hat es Schumacher weiter nicht eilig, obwohl die Bank mit einer harten Kernkapitalquote von 11,6 Prozent solide aufgestellt ist und die strengeren Anforderungen nach Basel III schon heute erfüllt. Dafür wird die Einlage voll verzinst - mit neun Prozent pro Jahr.