Bertelsmann wird bei Gewinnprognose vorsichtiger

Dienstag, 13. November 2012, 13:06 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die schleppende Konjunktur lässt den Medienkonzern Bertelsmann weniger zuversichtlich auf das laufende Jahr blicken.

Bisher hatten die Gütersloher für 2012 einen steigenden Konzerngewinn in Aussicht gestellt. "Das können wir nicht mehr so vollmundig versprechen", sagte eine Bertelsmann-Sprecherin am Dienstag. Das schwierige Umfeld vor allem für das Druckgeschäft und die Buchclubsparte sowie schwache Geschäfte im krisengeschüttelten Südeuropa würden den Gewinn belasten. Konkretere Angaben machte der Konzern nicht. Ansonsten hält Bertelsmann an den Prognosen für 2012 fest und erwartet ein moderates Umsatzplus und ein weiterhin hohes Betriebsergebnis.

Der Konzern, zu dem neben Europas größter TV-Gruppe RTL auch der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und der Buchverlag Random House gehört, steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten um 5,7 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis legte um 5,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Mit diesen Zahlen sei er zufrieden, erklärte Konzern-Chef Thomas Rabe: "Bertelsmann wächst organisch, das Profitabilitätsniveau bleibt hoch, und mit dem Konzernumbau kommen wir gut voran."

Rabe will Bertelsmann nach Jahren des Sparens wieder auf Wachstum trimmen. Auf der Agenda stehen etwa die Expansion in Schwellenländer, der Ausbau des digitalen Geschäfts, des Bildungsbereichs und des Musikrechtegeschäfts. So soll der profitable Buchverlag Random House mit dem Penguin-Verlag des britischen Rivalen Pearson zum weltweiten Marktführer fusioniert werden. An der neuen Firma sollen die Gütersloher mit 53 Prozent die Mehrheit halten. Ein Abschluss der Transaktion ist für die zweite Hälfte 2013 geplant. Der Plan, den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ("Stern", "Brigitte") allein zu kontrollieren und den 25-prozentigen Anteil der Familie Jahr zu kaufen, scheiterte dagegen an den Preisvorstellungen. Gruner + Jahr kämpft dabei mit sinkenden Anzeigeeinnahmen. Zeitungsberichten zufolge stehen die Wirtschaftsmedien auf dem Prüfstand, etwa die Magazine "Capital" und "Börse Online", sowie die Zeitung "Financial Times Deutschland", die seit ihrer Gründung vor elf Jahren Verluste schreibt.

RTL GROUP DANK DEUTSCHEM TV-MARKT MIT UMSATZPLUS

Auch der RTL Group, die rund 36 Prozent des Umsatzes von Bertelsmann erzielt, macht die schwierige Lage auf dem Werbemarkt zu schaffen. Im dritten Quartal sanken die Umsätze in fast allen europäischen TV-Märkten - nur Deutschland stach mit steigenden Werbeerlösen heraus. Deshalb und dank guter Geschäfte der Produktionstochter FreemantleMedia verbuchte die RTL Group im dritten Quartal einen Umsatzanstieg um 5,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte vor allem wegen des Verkaufs einer Immobilie in London um 5,8 Prozent auf 165 Millionen Euro - in den ersten neun Monaten sank das Ebita um 9,8 Prozent auf 671 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet RTL weiter ein "solides Ebita" - allerdings nicht mehr auf dem Rekordniveau von 2011.

Ein Sorgenkind von Bertelsmann ist das Druckgeschäft der Dienstleistungssparte Avarto. Der Markt leidet unter Überkapazitäten und Margendruck. Auch bei der Buchclub-Sparte läuft es nicht rund, die Umsätze sinken. Immer weniger Menschen wollen Mitglied in dem Club sein, bei dem sie alle drei Monate ein Buch kaufen müssen. Deshalb will Bertelsmann weitere Filialen in Deutschland schließen.