Rezession im Euroraum kommt im Hamburger Hafen an

Dienstag, 13. November 2012, 15:20 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Die Rezession in Teilen des Euroraums hinterlässt nun auch deutliche Spuren in der Hamburger Hafenwirtschaft und bei Reedereien.

Weil Auftraggeber aus Europa wegen des Abschwungs weniger Waren in Asien bestellen, sinkt auf der für Hamburg wichtigen Fernostverbindung der Containerverkehr. Bei Deutschlands größter Containerlinie Hapag-Lloyd macht sich dies in sinkenden Frachtraten auf dieser wichtigen Route bemerkbar. Noch wirkt sich das im Geschäft kaum aus, da Hapag-Lloyd auf anderen Strecken gut verdient. Der bereinigte Betriebsgewinn habe sich im Zeitraum Juli bis September auf rund 87 Millionen Euro mehr als verdoppelt, teilte die Hamburger Traditionsreederei am Dienstag mit.

Dabei profitierte Hapag-Lloyd, an der der Reisekonzern TUI noch zu gut einem Viertel beteiligt ist, von Preiserhöhungen, die die Reederei in den vergangenen Monaten durchgesetzt hat. Allerdings neigt sich diese Phase dem Ende zu. "Leider ist es im dritten Quartal aufgrund des Ausfalls der Peak Season nicht gelungen, den Aufwärtstrend bei den Frachtraten fortzusetzen", sagte Vorstandschef Michael Behrendt. Als Peak Season bezeichnen Reedereien die Zeit, wenn große Handelsunternehmen und Warenhauskonzerne ihre Läger für das Weihnachtsgeschäft füllen.

Das vierte Quartal stehe im Zeichen der sich verschärfenden Schuldenkrise im Euroraum. Händler und produzierendes Gewerbe füllten ihre Läger wegen knapper Liquidität und des nachlassenden Konsums nicht auf, sondern bauten Bestände ab, erläuterte Behrendt. Dadurch nehme die Transportleistung in diesen Märkten ab. Trotz der Belastungen durch die hohen Energiekosen geht Hapag-Lloyd für dieses Jahr von einem positiven operativen Ergebnis aus.

STARKER EXPORT HÄLT HHLA-GESCHÄFT STABIL

Beim Hafen- und Logistikunternehmen HHLA kamen wegen des Abschwungs in der Eurozone weniger Container aus Asien an. Allerdings konnte der Eurogate-Rivale dies dank des starken Exports aus Deutschland wettmachen. Für einen Ausgleich sorgten auch der starke Nordamerikaverkehr sowie Zuwächse im Zubringerverkehr (Feeder) in den Ostseeraum. Die Zahl der von der HHLA im dritten Quartal in Hamburg und Odessa bewegten Container sank daher nur marginal um 0,2 Prozent auf 1,889 Millionen Einheiten.

"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im Verlauf des dritten Quartals weiter eingetrübt", erklärte HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters. Dennoch halte der Vorstand an den zuvor reduzierten Geschäftszielen fest, die 2012 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn zwischen 170 bis 190 Millionen anpeilen. Das Unternehmen hatte im Sommer bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Geschäftsprognose gesenkt.