Italiens Banken verdienen überraschend viel Geld

Dienstag, 13. November 2012, 17:37 Uhr
 

Mailand (Reuters) - Italiens größte Banken haben im Sommer überraschend gut verdient und trotz Bremsspuren durch die Rezession für neue Risiken vorgesorgt.

Die UniCredit als Nummer eins des Landes schreibt vor allem dank Kostensenkungen und Zugewinnen im Handel wieder schwarze Zahlen. Die HypoVereinsbank-Mutter wies für das dritte Quartal 2012 einen Überschuss von 335 Millionen Euro aus - mehr als doppelt so viel wie von Branchenexperten erwartet. Vor einem Jahr hatten riesige Abschreibungen auf frühere Zukäufe der Bank noch ein Minus von 10,6 Milliarden Euro eingebrockt. Intesa Sanpaolo, die größte Privatkunden-Bank zwischen Südtirol und Sizilien, kommt vor Steuern auf einen Profit von 962 Millionen Euro, während der Markt im Schnitt nur mit gut 800 Millionen gerechnet hatte.

Dem Aktienkurs beider Häuser taten die Bilanzen gut: UniCredit-Papiere verteuerten sich um 4,4 Prozent auf 3,52 Euro. Bei Intesa ging es 5,3 Prozent auf 1,25 Euro nach oben. "Alles in allem sind die Zahlen gut", erklärte ein Händler in Mailand den Kursanstieg. Das Wohl beider Banken hängt aber an der Entwicklung der Schuldenkrise. Denn sie sind besonders große Gläubiger des italienischen Staates. Das entsprechende Engagement der UniCredit beläuft sich auf 42,5 Milliarden Euro. Bei Intesa sind es sogar satte 80,2 Milliarden Euro.

In Medienberichten hieß es zuletzt, UniCredit und Intesa könnten sich bald zusammentun, um sich vor einer Übernahme aus dem Ausland zu schützen. Manager auf beiden Seiten haben angebliche Überlegungen dementiert. Insider sagten Reuters jedoch, dass manche Aktionäre wegen des relativ niedrigen Börsenwerts beunruhigt seien. Beide Firmen werden jeweils mit rund 19 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die größten Banken im Krisenland Spanien - Santander und BBVA - kosten an der Börse momentan 56 beziehungsweise 33 Milliarden Euro.

STÄRKERE KAPITALPUFFER GEGEN KRISEN

UniCredit und Intesa gelang es auch, ihre Kapitalquoten - also den Schutz gegen zukünftige Krisen - zu verbessern. Zudem stiegen die Kundeneinlagen, was die Refinanzierung erleichtert. Und weil die Staatsschuldenkrise an den Märkten für weniger Turbulenzen sorgte, zogen die Handelsergebnisse beider Banken an. Bei der UniCredit dürfte dies bei der HVB in München für ein gutes Quartal gesorgt haben. Denn dort ist das Investmentbanking der Gruppe angesiedelt. Details zu den HVB-Zahlen werden am Mittwoch erwartet.

Bremsspuren durch die schwere Rezession in Italien zeigten sich sowohl in der UniCredit-Bilanz als auch bei Intesa. Zusammen legten beide Institute für Kreditausfälle 8,4 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres zurück. Analysten zufolge wird sich das Bild nicht vor 2014 ändern, weil auch nächstes Jahr mit einer schrumpfenden Wirtschaft in Italien gerechnet wird. Bei Intesa steht der Heimatmarkt für 80 Prozent des Geschäfts. Bei der UniCredit sind es nur 40 Prozent. Sie ist neben Deutschland stark in Osteuropa und über die Bank Austria auch in Österreich präsent.

 
A Unicredit bank logo is seen in Rome November 15, 2011. REUTERS/Stefano Rellandini (ITALY - Tags: BUSINESS LOGO)